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DER KONSTRUKTEUR 10/2015

DER KONSTRUKTEUR 10/2015

WERKSTOFFTECHNIK

WERKSTOFFTECHNIK Eintauchen in eine neue Dimension Tauchverfahren liefert flexible Kunststoff-Formteile in großer Vielfalt Wer meint, alles über Kunststoffformgebung zu wissen, kann hier ins Staunen geraten: Das Tauchverfahren bietet ungeahnte und nahezu grenzenlose Möglichkeiten. Die Möller Werke GmbH hat diese Produktionsmethode automatisiert und perfektioniert. Gekoppelt mit Werkstoffund Konstruktions-Know-how erfüllen die Spezialisten in Bielefeld die Wünsche vieler Konstrukteure. Seit über 40 Jahren spielt das ursprünglich handwerklich geprägte Kunststoff- Tauchverfahren eine wichtige Rolle im Fertigungsportfolio der Möller Werke. Mit der 2012 fertiggestellten Tauchanlage wurden die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft und eine einzigartige Prozesskette geschaffen, die weltweit Maßstäbe setzt. Damit gelang die Transformation hin zum hochautomatisierten Verfahren. Diese neue Tauchanlage liefert Kunststoffformteile in gleichmäßig hoher und hundertprozentig reproduzierbarer Qualität. Dadurch erfüllen sich gleich mehrere Wünsche auf einmal: maßgeschneiderte Produkte aus spezifischen Materialien bei geringen Werkzeugkosten und kurzen Bemusterungszeiten. Formgebung: Wenn andere Formgebungsverfahren bereits ausgereizt sind, bietet das Tauchverfahren oftmals noch Möglichkeiten. Sogar komplizierte Geometrien lassen sich problemlos realisieren und das Volumen eines Formteils kann durchaus bis zu einem Kubikmeter betragen. 3D-Konstruktion und CNC-Fertigung sichern eine schnelle und kostengünstige Form-Herstellung, so dass Erstmuster oft schon nach drei bis vier Wochen vorliegen. Tauch-Kombinationen: „Doppelt hält besser“ sagt der Volksmund. Doppeltes Tauchen bietet zusätzliche Möglichkeiten: Mehrere Schichten aus verschiedenen Materialen oder Farben optimieren die Eigenschaften, genau wie der Einsatzfall es erfordert. Vernetzen nach dem Tauchen: Fertig getauchte Formteile können anschließend im Ganzen oder partiell durch Hochenergie-Elektronen vernetzt und dadurch punktgenau gehärtet werden. So erhalten die Formteile dort mehr Stabilität, wo es erforderlich ist. Breites Anwendungsspektrum Tauchteile decken die verschiedensten beweglichen Elemente ab, z. B. Spindeln an Hubgeräten, Höhenverstellungen an medizinischen Behandlungstischen, Spiegeljustierungen an Baumaschinen oder Hebel und Joysticks auf Schaltkonsolen. Zweifarbige Schutzhauben für spannungsführende Teile zeigen durch Signalfarben an, wenn eine Beschädigung vorliegt, die den Austausch der Haube erforderlich macht. Tauchteile sind auch gut geeignet, um Know-how für anforderungsgerechte Bauteile So simpel der eigentliche Tauchvorgang auch erscheint – das Know-how der Möller Werke wurde und wird kontinuierlich perfektioniert. Und dabei ist eine Menge Raffinesse im Spiel. Rezepturen der Ausgangspaste Molerit wurden alle im Hause Möller entwickelt. Sie Der Formenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt bilden die Basis für eine Fülle von Produkteigenschaften (Shore-Härte, Farbe, Oberfläche, Beständigkeit usw.). Es gibt bereits eine große Palette an Rezepturen, die bei Bedarf individuell erweitert werden kann. Oberflächen: Je nach gewähltem Ausgangsmaterial ist die Produkt-Oberfläche glänzend, matt oder auch genarbt! „Tauchteile mit genarbter Oberfläche sind die neuste Entwicklung von Möller Werke. Die Patentanmeldung läuft. Auf der Fakuma 2015 präsentieren wir diese Neuerung zum ersten Mal.“ erläutert Heiko Hammer, einer der beiden Verkaufsleiter der Möller Werke. 62 Der Konstrukteur 10/2015

01 Mehrschichtige Schutzabdeckungen: passgenau und formschön 02 Faltenbälge sind typische Anwendungsbeispiele für das Tauchverfahren WERKSTOFFTECHNIK spezielle Medien zu führen: Luftverteilungen mit drei Abzweigen (Y-Verteiler) in der Fahrzeugkabine oder flexible Siphons im Sanitärbereich. Als Königsdisziplin können in die Formteile während des Tauchvorgangs sogar Funktionsteile aus Metall (z. B. Gewinde- Einsätze) integriert werden. Auch komplizierte Geometrien mit aufwändiger Funktionsintegration lassen sich realisieren. Damit ist die Liste keineswegs beendet. Kontinuierlich kommen neue Anwendungen zu den vielen tausend bereits realisierten Lösungen hinzu. „Und diese Herausforderung macht unserem Team großen Spaß“, bekräftigt Heiko Hammer. Vorteilhaft gegenüber Spritzgießen Produkte aus dem Tauchverfahren haben gegenüber Erzeugnissen aus dem Spritzguss einen entscheidenden, augenfälligen Vorteil: Sie sind nahtlos und dadurch auch ästhetisch ansprechend. Gerade bei Sichtteilen ist das ein überzeugender Vorzug. Das Tauchverfahren überflügelt den Spritzguss auch im Hinblick auf Größe und Formgebung der Produkte. Dabei halten sich die Investitionen für Formen in überschaubaren Grenzen. Für Konstrukteure und Designer aller Branchen bietet das Tauchverfahren attraktive Möglichkeiten zur variantenreichen Entwicklung und wirtschaftlichen Beschaffung von flexiblen Kunststoff- Formteilen. www.tauchteile.de Dichtungen. Stanzteile. Isolierteile. Individuelle und wirtschaftliche Lösungen • Jede Form, jedes Material, jede Größe • Vielseitige Technologien im Bereich des Stanzens und des Wasserstrahlund Laserschneidens • Hohe Flexibilität durch eigenen Werkzeugbau • Lösung komplexer kundenspezifischer Aufgabenstellungen 13. – 17.10.2015 Wir sind dabei. Halle B4, Stand B4-4204 Wir freuen uns auf Sie! Schlösser - Ihr kompetenter Partner. So funktioniert das Tauchverfahren Am Anfang steht flüssiges Molerit, ein thermoplastischer Kunststoff nach Möller-Rezepturen. Eine Metall-Tauchform wird in das Molerit eingetaucht und bildet dabei exakt die Innenkontur des Formteils ab. Anschließend wird das Formteil wärmebehandelt, von der Tauchform abgezogen und konfektioniert. www.schloesserdichtungen.de Schlösser GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 8 | 88512 Mengen Tel. +49 7572 606-0 | Fax 606-5598 info@schloess.de

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