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DER KONSTRUKTEUR 10/2016

DER KONSTRUKTEUR 10/2016

ANTRIEBSTECHNIK Im

ANTRIEBSTECHNIK Im Herzen mechanisch Kaltumgeformter Kugelgewindetrieb als Kern einer Servopresse für die Umformtechnik Ursula Schädeli Geht es in automatisierten Montagepressen um Kraft-Wegüberwachtes Fügen, sind elektrische Servopressen heute häufig die Systeme der Wahl. Ein Baukasten für solche Fügemodule greift auf kaltumgeformte Kugelgewindetriebe als Antriebselemente zurück – nicht ohne Grund. Ursula Schädeli, Eichenberger Gewinde AG, Burg (CH) Die intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Gewindespezialisten Eichenberger aus dem schweizerischen Burg und dem deutschen Automatisierungsspezialisten Festo besteht schon seit vielen Jahren. Mit Übernahme der Eichenberger Gruppe durch die Festo AG im April dieses Jahres sind weitere wertvolle Synergieeffekte realisierbar. Dieses Zusammenwirken und die gebündelte Innovationskraft wird in den Feldern der elektromechanischen Antriebstechnik künftig einiges zusätzlich bewegen. Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit sind elektrische Servopressen. Überwachte Fügequalität Elektrische Servopressen, auch als Fügemodule bezeichnet, dienen zum Kraft-Wegüberwachten Fügen durch Einpressen, zum Fügen durch Umformen – wie Nieten oder Durchsetzfügen – zum Prägen, Stanzen oder z. B. zum Federtesten. Ins Pflichtenheft gehören hohe Genauigkeit, kurze Taktzeiten, immense Presskräfte und nicht selten auch ausgeprägte Geschwindigkeiten. Ein typischer Einsatzbereich von Servopressen sind automatisierte Montageprozesse, die hohe Wiederholgenauigkeit und überwachte Fügequalität mit der Möglichkeit zur Dokumentation erfordern. Universell einsetzbare Fügemodule finden Einsatz in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik, Medizintechnik, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in vielen anderen Branchen. Digitales Zeitalter Die zunehmende Verschmelzung von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie mit klassischen industriellen Prozessen verändert die verschiedenen 50 Der Konstrukteur 10/2016

ANTRIEBSTECHNIK Produktionsbereiche im Sinne von Industrie 4.0. Davon ist auch die Umformtechnik betroffen. Die massiv steigende Quantität an Daten, die Komplexität in der Vernetzung der Anlagen und die geforderte Wandelbarkeit und Flexibilität der Komponenten fordern ein generelles Verständnis für digitale, vollautomatisierte Produktionsverfahren. Tiefgehende Kenntnisse im Aufbau und der Programmierung von digitalen Anlage-Netzwerken (Steuerungen, Peripherie, Antriebe, Sicherheitstechnik) sind unumgänglich. In modernen Servopressen, wie dem Servopressen-Bausatz YJKP von Festo, werden bereits viele Daten gesammelt und ausgewertet, sei es zum Hub, zur Stößelposition, zu den Vorschubgeschwindigkeiten sowie Brems- und Beschleunigungsrampen etc. Der Bausatz YJKP liefert damit bereits Industrie-4.0- Merkmale. Abgestimmte Komponenten Oft sind Pressen überdimensioniert. Nach eigenem Bekunden nutzen Anwender gerade einmal 10 % der Leistung einer vorkonfigurierten Presse. Der Servopressen-Bausatz YJKP setzt genau an diesem Punkt an. Mit ihm sind elektrische Pressenanwendungen mit bis zu 17 kN möglich. Die Integration in das eigene Anlagekonzept gestaltet sich einfach. Der modulare Servopressen-Bausatz stellt genau die Software-Funktionen bereit, die Anwender für ihre Applikation wirklich benötigen. Damit erhalten sie ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis ihres hochpräzisen und wiederholgenauen Pressensystems. Diese flexible, vorkonfektionierte Systemlösung besteht aus einer modularen Bedienungssoftware und aufeinander abgestimmten Standardkomponenten von Festo – dem elektrischen Spindelantrieb ESBF, dem Motor EMMS-AS, dem Der hohe Wirkungsgrad des Kugelgewindetriebs von über 90 % gewährleistet eine optimale Antriebsleistung Hansruedi Hager, Geschäftsführer Eichenberger Gewinde AG, Burg (CH) Neben den Servopressen, in welchen Bereichen arbeiten Festo und Eichenberger bisher noch zusammen? Die Festo AG vertraut bereits seit rund 25 Jahren auf die Kompetenz und Qualität der Produkte der Eichenberger Gruppe. Die Gewindetriebe finden ihre Anwendung zum größten Teil in Elektrozylindern und managen Geschwindigkeit, Kraft und Präzision. Motor-Controller CMMP-AS, der Steuerung CECC-X und einem Kraftsensor. Im Baukasten können Anwender z. B. über einen Kraftbereich von 0,8 bis 17 kN, über eine Hublänge von 100 bis400 mm oder über einen axialen oder parallelen Motoranbau entscheiden. Die Beschleunigung umfasst außergewöhnliche 25 m/s. Bei den aufeinander abgestimmten Bauteilen steht der hochpräzise elektrische Zylinder ESBF im Mittelpunkt. Es ist von einem Kraftpaket die Rede, das über seine gesamte Lebenszeit bei einer Wegleistung von mehr als 10 000 km ohne Nachschmierung beim perfekten Pressvorgang arbeitet. In diesem Spindelantrieb befindet sich das eigentliche Herzstück: der kaltgerollte Kugelgewindetrieb. Kaltgerolltes Herzstück Der elektrisch angetriebene Kugelgewindetrieb (KGT) von Eichenberger setzt die Drehbewegung des Motors in eine Linearbewegung der Kolbenstange um. Der hohe Wirkungsgrad von über 90 % gewährleistet eine optimale Antriebsleistung. Der induktiv gehärtete KGT der Typenreihe Carry, bietet laut Hersteller enorm hohe Belast- Wo und wie wollen Sie neue Synergieeffekte erschließen? Durch die Übernahme erhöht Festo die Wertschöpfungstiefe und die Liefersicherheit. Außerdem soll der Standort Burg innerhalb der Festo Gruppe zu einem Kompetenzzentrum für Gewindetriebe ausgebaut werden. Für Festo bedeutet dies die Stärkung der Geschäftseinheit Electric Automation (EA) im Bereich der linearen Aktuatoren.

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