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DER KONSTRUKTEUR 10/2020

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DER KONSTRUKTEUR 10/2020

TITELSTORY PRODUKTE UND

TITELSTORY PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Ob 3D-Drucker-Filamente, Halbzeuge, Lager- und Lineartechnik oder wirtschaftliche Automationslösungen – ein deutscher Mittelständler hat sein Portfolio über die Jahre konsequent auf das Thema Kunststoffe für bewegte Anwendungen ausgerichtet und immer weiter ausgebaut und abgerundet. Der Einsatz seiner Tribopolymer-Lösungen kann viele Vorteile erschließen, auch im Hinblick auf die Ökobilanz. Jetzt will das Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit zu Ende denken. Ein spannender Weg, den wir näher beleuchten – natürlich auch aus der Perspektive des Konstrukteurs … Autorin: Martina Klein, stv. Chefredakteurin DER KONSTRUKTEUR 34 DER KONSTRUKTEUR 2020/10 www.derkonstrukteur.de

KONSTRUKTIONSELEMENTE Energieketten recyceln und Kunststoff wieder in Erdöl verwandeln – der Motion-Plastics-Experte Igus macht aktuell Schlagzeilen mit verschiedenen Projekten im Bereich Nachhaltigkeit. Aber was steckt dahinter? Fakt ist: Kunststoffe haben insgesamt einen schlechten Ruf, was die Umweltverträglichkeit angeht. Igus sieht sich als Spezialist für Tribokunststoffe hier in der Verantwortung und möchte dem entgegenwirken. „Unsere Aufgabe ist es, diesen, aus unserer Sicht sehr wertvollen, Rohstoff so zu begleiten, dass die negativen Effekte minimiert oder vielleicht sogar eliminiert werden“, sagt Igus-Chef Frank Blase. „Und zwar über den ganzen Lebenszyklus hinweg, von der Herstellung über den Betrieb bis nach Erreichen der Lebensdauer.“ Einige Punkte hat Igus dabei schon lange im Blick. Andere Aspekte, wie speziell die Frage „was passiert mit unseren Produkten nach Ablauf der Nutzung?“ hat das Unternehmen neu in den Fokus genommen. „Ich hatte da bisher ehrlich gesagt nicht so viel Wert darauf gelegt“, gibt der dynamische Firmen-Chef offen zu. Wie in der öffentlichen Wahrnehmung, so hat auch bei Frank Blase in puncto Umweltschutz ein Wandel stattgefunden. Heute sagt er: „Das Thema Nachhaltigkeit muss man zu Ende denken“ und ergänzt: „Es muss sich lohnen, sonst wird es nicht funktionieren. Die Dinge, die wir tun, müssen messbar sein und wirklich etwas nützen! Das ist der Maßstab, den wir immer wieder anzulegen haben.“ HERSTELLUNG „Im Bereich Herstellung stehen technische Kunststoffe gar nicht schlecht da“, sagt Frank Blase. „Sie haben eine um ca. 50 % bessere Energiebilanz als Stahl oder Aluminium.“ Um die Ökobilanz weiter zu verbessern, hat Igus bereits vor zehn Jahren nach Alternativen gesucht. „Das Thema nachwachsende Rohstoffe war damals in aller Munde, in den Medien, überall. Und dann haben wir uns umgeschaut, ob man da etwas machen kann.“ 2011 hat der Kunststoffspezialist schließlich ein Gleitlager aus Iglidur N54 vorgestellt, einem Werkstoff, der zu 54 % auf nachwachsenden Rohstoffen basiert. Gute Reibwerte gepaart mit Standzeiten, die den Serieneinsatz in sporadisch bewegten Anwendungen erlauben, gaben diesem Werkstoff einen festen Platz im Programm des Anbieters. Allerdings lässt die Nachfrage nach dem grünen Lager über all die Jahre zu wünschen übrig. „Aber das kann und wird sich vielleicht noch ändern“, hofft Frank Blase. „Ich denke, es ist gerade für Branchen, die konsumentennah sind, wie zum Beispiel die Möbelindustrie, interessant.“ Im Zuge des Umdenkens in 2019 wurde dann eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich in Projektarbeit mit dem Umweltschutz im Unternehmen beschäftigt. Einige Vorschläge wie Fahrgemeinschaften, umweltfreundliches Druckerpapier usw. wurden umgesetzt. In diesem Rahmen entstand auch die Idee einer Umweltzertifizierung des Unternehmens. „Hinzu kam, dass mehrere größere Kunden gesagt haben: ‚Wenn die Firma Igus nicht nach 14 001 zertifiziert ist, dürfen wir keine Projekte mehr platzieren‘“, berichtet Quality Manager Jörg Krüger, der bei Igus für die ISO-Zertifizierung verantwortlich ist. Mitte April 2020 wurde das Umweltzertifikat ISO 14 001 : 25 dann an Igus Deutschland vergeben. Jörg Kürger betont: „Ein wichtiger Bestandteil der ganzen Zertifizierung dieser Managementsysteme ist ja die ständige Verbesserung. Letztlich ist das für uns auch eine Kontrollfunktion, der Druck von außen, uns ständig weiterzuentwickeln.“ Im Rahmen der Zertifizierung werden Umweltaspekte ermittelt, um festzustellen, in welchen Bereichen das Unternehmen den größten Einfluss auf irgendwelche Umweltfaktoren hat. Bei Igus liegt der Fokus auf dem Spritzgieß-Prozess, der sehr energieintensiv ist. Mit der Umsetzung der Maßnahmen ist Angelina Donner betraut. Als Lean Ingenieurin Green Production ist es ihre Aufgabe, sich die komplette Produktion anzuschauen – von der Energieeffizienz der Maschinen über die Produktionsprozesse bis hin zur Beleuchtung – und den Grünstift anzusetzen. Angelina Donner: „Wichtig ist es, sich hier nicht zu verzetteln. Wir müssen identifizieren, wo die größten Potenziale liegen und diese Bereiche dann systematisch angehen.“ Oberstes Ziel ist es, den Energieverbrauch – und damit auch den CO 2 -Ausstoß – zu senken, zunächst um 10 %. BETRIEB Das, was bei Igus geschieht, die Produktion der Komponenten, ist eine Sache. Ein entscheidender Bereich ist natürlich auch das, was danach kommt, der Betrieb. Hier eröffnen die Motion Plastics vielfach ökologische Vorteile. Durch ihr geringeres Gewicht ermöglichen sie leichtere Konstruktionen und können so die Maschineneffizienz verbessern. „Stahl ist achtmal schwerer als unsere Tribo polymere“, hebt Frank Blase hervor. Durch Ökodesign lassen sich noch weitere Potenziale erschließen. Und das will Igus nutzen, wie der Firmen-Chef berichtet: „2018 hatten wir Prof. Claus Mattheck zweimal hier im Haus – er hat all unserer Konstrukteure geschult.“ Der „Baumpapst“ arbeitet als Abteilungsleiter für Biomechanik am Institut für Angewandte Materialien des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und gilt als Koryphäe im Bereich Bionik. Die Schulung hat sich für den Kunststoffspezialisten zwischenzeitlich bereits bezahlt gemacht. „Dank einer speziellen bionischen Bauweise, Prof. Mattheck nennt das Bachkiesel-Design, konnten wir bei unserer neuen Energiekette E4Q im Vergleich zur E4.1 10 % Gewicht einsparen, die Bruchfestig- 01 Igus-Chef Frank Blase erklärt im Interview: „Das Thema Nachhaltigkeit muss man zu Ende denken und es muss sich lohnen, sonst wird es nicht funktionieren!“

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