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DER KONSTRUKTEUR 11/2019

DER KONSTRUKTEUR 11/2019

KLARTEXT STEFFEN WINKLER

KLARTEXT STEFFEN WINKLER Vertriebsleitung der Business Unit Automation & Electrification Solutions, Bosch Rexroth AG, Lohr a. M. WIE SIEHT DIE SAFETY-ARCHITEKTUR DER ZUKUNFT AUS? Die Safety-Architektur der Zukunft ist auf absehbare Zeit in die Automatisierungstechnik integriert. Aber durch die Fabrik der Zukunft steigen die Anforderungen. Maschinen werden zukünftig noch modularer aufgebaut sein, weil Endanwender zunehmend kleinere Losgrößen wirtschaftlich abbilden müssen. Sie werden in ihren Fertigungslinien je nach Auftragslos zusätzliche Module hinzufügen oder entfernen. In Bezug auf die Safety-Architektur erfordert dies einen intelligenten Mix aus zentraler Sicherheits-SPS und antriebsbasierten Safety-Funktionen in den intelligenten Servoantrieben. Daraus folgt außerdem, dass Änderungen im Prozess rückwirkungsfrei auf die Safety-Steuerung sein müssen. Individualisierung, Modularisierung, Digitalisierung – der Maschinenbau verändert sich und mit ihm die Maschinensicherheit. Zentral oder dezentral, integriert in die Automatisierungstechnik oder von ihr getrennt – wie sieht die Safety-Architektur der Zukunft aus? IN BEZUG AUF DIE SAFETY- ARCHITEKTUR IST EIN INTELLIGENTER MIX GEFRAGT SOWOHL ZENTRALE ALS AUCH DEZEN­ TRALE LÖSUNGEN SIND ÜBLICH SPECIAL DR. GUIDO BECKMANN Safety-Experte, EtherCAT Technology Group, Nürnberg Den Anwendern der Safety-over-EtherCAT-Technologie (FSoE) gefällt besonders die Flexibilität des Protokolls: Zentrale Lösungen, in denen die Safety-Logik Teil der Maschinensteuerung ist, als auch dezentrale Lösungen sind verfügbar und üblich. Bei der dezentralen Lösung kann die Safety-Steuerung als EtherCAT-Slave- Gerät in das Netzwerk eingebunden werden; dies hat den Vorteil, dass die Standard-Steuerung nicht sicherheitsrelevant erweitert werden muss. Die Sicherheitsdaten werden über die Standard-Steuerung zwischen der FSoE-Steuerung und den Sicherheitssensoren und -aktoren ausgetauscht. Die Unabhängigkeit des FSoE-Protokolls vom Übertragungsmedium ermöglicht zudem maschinenübergreifende Sicherheitsfunktionen – so können z. B. anlagenweite Not-Aus-Funktionen einfach realisiert werden. Funktionale Sicherheit ist ein integraler Bestandteil einer Automatisierungsanlage und muss sich daher nahtlos in die Standard-Steuerungsarchitektur eingliedern.

KLARTEXT TIM ARMBRUSTER Business Development Industry, ITK Engineering GmbH, Rülzheim Es wird in Zukunft nicht „die“ Safety-Architektur geben. Mit der stetigen Zunahme der Softwareumfänge steigt auch die Systemkomplexität. Künftige Architekturen sind individuell, systemübergreifend und interdisziplinär. Das erfordert einen ganzheitlichen Blick auf Systeme. Schon heute können gewaltige Datenmengen effizient erfasst und verarbeitet werden. All das beflügelt Themen wie digitale Transformation und Industrie 4.0. Für unsere Kunden ergeben sich neue Herausforderungen in der Konzeption, Entwicklung, Integration und im Betrieb. Ein Denken und Agieren über lokale Systemgrenzen und Kompetenzfelder hinaus wird zunehmend zum Erfolgsfaktor. Gleichzeitig werden die Problemstellungen immer anwendungsspezifischer und der Bedarf an individueller Adaptierbarkeit wächst. In Bezug auf Safety wird insbesondere das Zusammenspiel mit Security wesentlich. Für „sichere“ Architekturen muss das Credo lauten: Keine Safety ohne Security! KÜNFTIGE ARCHITEKTUREN SIND INDIVIDUELL, SYSTEMÜBERGREIFEND UND INTERDISZIPLINÄR DER EINSATZ EINER DEZENTRALEN SICHER- HEITSSTEUERUNG BIETET VORTEILE MARKUS KICK Business Development Manager Feuerungstechnik, Wieland Electric, Bamberg Die Safety-Architektur der Zukunft sieht aus unserer Sicht dezentral und höchst benutzerfreundlich aus. Dabei ist der Einsatz einer kompakten, dezentralen Sicherheitssteuerung, die mit jedem beliebigen Prozess- oder Steuerungssystem kommunizieren kann, in zweierlei Hinsicht von Vorteil: Prozesssteuerungen können sich auf das Wesentliche konzentrieren, während die funktionale Sicherheit intuitiv mit der Sicherheitssteuerung realisierbar ist. So gehen Sicherheitsfunktionen nicht in großen Programmen unter. Bei der Parametrierung und Validierung von Sicherheitsfunktionen wiederum ist eine hohe Usability der Programmiersoftware Trumpf. Besonders hilfreich sind vorgefertigte Funktionsbausteine, mit deren Hilfe selbst ungeschultes Personal Sicherheitsfunktionen einfach parametrieren kann. Und zuletzt darf es nicht nur darum gehen, reine Komponenten zu liefern. Das Thema Sicherheit muss ganzheitlich betrachtet und je nach Applikation von einer lösungsorientierten Beratung begleitet werden. DER KONSTRUKTEUR 11/2019 83

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