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DER KONSTRUKTEUR 12/2016

DER KONSTRUKTEUR 12/2016

KONSTRUKTIONSELEMENTE

KONSTRUKTIONSELEMENTE Voller Action, blitzschnell und hochdynamisch – das ist die Freestyle-Sportart Skicross. Damit die Extremsportler auch im Sommer trainieren können, gibt es speziell konstruierte Startmaschinen. Auch die hier verbauten Stoßdämpfer leisten Extremes, sie bremsen Kräfte von bis zu 80 000 N wirksam ab. SIEGERTYPEN PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Die Regeln beim Skicross sind recht einfach: vier Athleten im Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau. Die ersten beiden kommen weiter in die nächste Runde, bis dann im Finale die besten vier gegeneinander fahren. Das Gegeneinander ist wortwörtlich zu verstehen, da Körperkontakt erlaubt ist. Das Nonplusultra im Ski alpin, die Ideallinie, erreicht unter diesen Umständen niemand, zumal man eine gute Rennposition auch durch Ausbremsen bzw. Schneiden des Gegners verteidigen darf. Überholmanöver sind beim Skicross auf anspruchsvollen Strecken voller Steilkurven und Sprünge alles andere als einfach. Erst recht, da die Kurse kaum breiter sind als bei den klassischen Rennpisten, auf denen nur ein Läufer zeitgleich unterwegs ist. Es sind genau diese Rahmenbedingungen, die den Startvorgang zu einem zwar sehr kurzen, aber ungemein wichtigen Manöver machen. Wer hier nach wenigen Metern vorne liegt, hat die besten Aussichten, das Rennen für sich zu entscheiden. Aus diesem Grund wird die Startphase gerade in den Sommermonaten immer und immer wieder einstudiert. Autor: Robert Timmerberg, M. A., Fachjournalist (DFJV), Düsseldorf DEN AUFTRETENDEN KRÄFTEN NICHT GEWACHSEN Um hohe Wiederholungszahlen in einem Minimum an Zeit zu ermöglichen, gibt es hierfür Trainingsgeräte, die an Kraftmaschinen in Fitness-Studios erinnern. Ein solches Gerät haben auch Mitarbeiter unter der Leitung von Prof. Christian Raschner am Institut für Sportwissenschaft in Innsbruck hergestellt. Nach einer Planungsphase entstand ein erster Prototyp. Optisch könnte man diesen als ein Bettgestell auf Rollen bezeichnen. Anstelle eines Lattenrosts ist in seiner Mitte eine Platte mit Skibindungen befestigt. Außerdem ist noch ein Schlitten angebracht, der entlang der Längsseiten verfahren soll und der auf beiden Seiten einen guten Meter in die Höhe ragt. An seinem vertikalen Ende sind zwei Griffe montiert, mit denen der trainierende Skifahrer den 36 kg schweren Schlitten nach hinten wegdrücken kann. Damit sind im Vergleich mit dem Start auf der Piste zwar aus anatomischer Sicht der Punctum fixum und der Punctum mobile vertauscht, die Muskeln des Athleten werden aber auf dieselbe Art und Weise angesprochen. Als Testperson am Institut für Sportwissenschaft Innsbruck stellte sich der Weltklasse-Skicrosser Patrick Koller zur Verfügung. Seine Kraft erwies sich als Problem für die Konstruktion: Zum einen raste der Schlitten mit einer solchen Wucht in die Endlage, dass über 26 DER KONSTRUKTEUR 12/2016

KONSTRUKTIONSELEMENTE 01 01 Um die Startphase im Sommer zu trainieren, gibt es spezielle Trainingsgeräte für Skicross-Rennläufer 02 Der trainierende Skifahrer steht auf einer Platte in der Mitte und drückt den 36 kg schweren Schlitten nach hinten weg "UM NEUESTE SPORTWISSEN- SCHAFTLICHE ERKENNTNISSE ANZUWENDEN, KONSTRUIEREN WIR SELBST TRAININGS- GERÄTE" Ass. Prof. Ing. Dr. Christian Raschner, sportlicher Leiter am Campus Sport Tirol des Innsbrucker Olympiazentrums Mit unserem Know-how, vorhandenen Testapparaturen und eigenen Konstruktionen, wie der hier beschriebenen, sichern wir die Anwendung neuester sportwissenschaftlicher Erkenntnisse. Den Stärken und Schwächen von Spitzensportlern wird im Olympiazentrum auch mit einer Vielzahl von computerunterstützten Messsystemen nachgegangen. www.DerKonstrukteur.de kurz oder lang mit Schäden zu rechnen war. Zum anderen musste während der ersten Tests eine zweite Person mithelfen, damit sich das Trainingsgerät nicht selbstständig machte. An diesem Punkt des Projekts wurde die ACE Stoßdämpfer GmbH eingeschaltet. HYDRAULISCHE DÄMPFUNGSELEMENTE SCHAFFEN ABHILFE Das Unternehmen stellt immer wieder unter Beweis, dass man mit Hilfe von ölbefüllten Industriestoßdämpfern Maschinen schneller, kostengünstiger und umweltschonender nutzen kann, als wenn man das Abbremsen verfahrender Massen den elektrischen Kräften der verwendeten Antriebe oder gar einer Pneumatik-Lösung mit Luftpuffern überlässt. Aus diesem Grund bietet ACE z. B. auch kostenlose Schulungen und Seminare an. Diese werden auch an Fachhochschulen und Universitäten abgehalten. Denn nur was man kennt, kann auch verbaut werden. Es ist dabei das erklärte Bestreben, dass Technik erlebbar sein muss, um Gelerntes besser in Handlungen zu manifestieren. Dies ließ sich bei der Starttrainingsmaschine am Institut für Sportwissenschaft in Innsbruck hervorragend umsetzen. ACE übernahm nicht nur, wie bei anderen Kunden auch, die Auslegung für den konkreten Fall. Der für ACE in Österreich tätige Kundenberater Hans-Jürgen Greindl entschied sich zudem, dem Forscherteam für deren neue Tests ausnahmsweise die benötigten Maschinenelemente kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wesentlicher Bestandteil der Auslegung war die Berechnung der Stützkräfte für die zu benutzenden Stoßdämpfer. Hierfür wurden als Geschwindigkeit 8 bzw. 10 m/s angenommen. Es ergaben sich Werte von über 45 000 N bei der langsameren Fahrt und fast 80 000 N bei der schnelleren Fahrt. Kein Wunder, schließlich entspricht ein Aufprall mit 10 m/s einer Geschwindigkeit von 36 km/h. Um auf 02 DER KONSTRUKTEUR 12/2016 27

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