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DER KONSTRUKTEUR 12/2018

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SOFTWARE & PROTOTYPING

SOFTWARE & PROTOTYPING Funktionalität und Design spielen bei den Gehäusen von OKW eine große Rolle, denn diese sollen Produkten ein Gesicht verleihen. Von der Kundendatenübernahme bis zur Fräsmaschine: Der Spezialist für Gehäusesysteme hat eine durchgehende Prozesskette realisiert, die bestens funktioniert. Dabei hat der Software-Lieferant und Realisierungspartner maßgeblich zum guten Gelingen beigetragen. PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Wer die Firma OKW Gehäusesysteme in Buchen im Odenwald betritt, der trifft unmittelbar auf eine große grüne Schildkröte. Klar, der Panzer schützt das Innenleben – genau wie beim Gehäuse. Der Fertigungsleiter des Unternehmens, Helmut Böhrer, erklärt: „Unsere Gehäuse sind robust, langlebig und dicht, darum haben wir die Schildkröte als CI-Bild gewählt.“ Wer also auf dieses Zeichen trifft, kann sicher sein, dass er es mit der OKW Gehäusesysteme GmbH zu tun hat. OKW, das steht für Odenwälder Kunststoffwerke. Das Unternehmen wurde 1948 von Dr. Herbert Schneider in Buchen gegründet und befindet sich noch immer in der Hand der Gründerfamilie. Das erste Fertigungsprogramm bestand aus Drehknöpfen aus gepresstem Kunststoff, namentlich für die Fernseh- und Rundfunkindustrie. „In den 60er Jahren“, so berichtet der heutige Fertigungsleiter Helmut Böhrer, „haben wir ganz Europa mit Fernsehknöpfen beliefert.“ Dazu kam 1972 mit dem Flachgehäuse das erste Standardgehäuse aus Kunststoff für die Elektroindustrie. Im Jahr 1984 wurde die heutige OKW Gehäusesysteme GmbH aus der Muttergesellschaft ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen etabliert. Im Hause macht man die Entwicklung und Konstruktion, die Nachbearbeitung/Veredelung der Gehäuse sowie den Vertrieb. Der Spritzguss sowie die dafür nötigen Werkzeuge werden großenteils zugekauft. Gehäuse werden geliefert als Wandgehäuse, Pult-/Tischgehäuse, Mobil- und Wearable-Gehäuse, Einbaugehäuse sowie Universalgehäuse. Die OKW-Produkte, nach wie vor Drehköpfe und Gehäuse, werden weltweit vermarktet. In acht Ländern auf vier Kontinenten gibt es eigene Werksniederlassungen. In allen anderen ist man über Handelsunternehmen vertreten. Die Exportrate beträgt weit über 50 %. Das Odenwälder Unternehmen hat selbst rund 100 Mitarbeiter, die Unternehmensgruppe mit acht Firmen rund 400. MEHR ALS EINE VERPACKUNG Gehäuse geben dem Produkt, welches sie umhausen, ein Gesicht, tragen mit dem Design zu der gewünschten Anmutung bei und stellen selbstverständlich die Funktionalität bereit. Die Baureihe Style- Case von OKW Gehäusesysteme zeigt dies beispielhaft. OKW präsentiert diese Gehäuseart seit neuestem mit hochglanzpolierten Oberflächen und setzt damit ein zusätzliches gestalterisches Highlight für moderne Handbediengeräte. Dank angenehmer Haptik avancieren die Gehäuse zum Handschmeichler mit eleganter Ausstrahlung, wohltuend und sicher zu bedienen. Autor: Karl Obermann, freier Journalist, Großhabersdorf 26 DER KONSTRUKTEUR 12/2018

SOFTWARE & PROTOTYPING richtet Dieter Neukirchner, zuständig für die Arbeitsvorbereitung- Leitung und eben auch für die CAx-Systeme. Ihre Anforderungen sahen die Gehäusespezialisten am besten bei dem Anbieter DPS-Software umgesetzt, der damals noch zwei CAM Systeme innerhalb von Solidworks anbot. Somit wurde entschieden, den Neustart mit der Solidworks-Familie zu machen, und DPS wurde der Lieferant aller CAx-Komponenten – bis heute. Die DPS Software GmbH wurde 1997 gegründet und ist heute der größte Solidworks Reseller in Europa und der größte Sage-Reseller ES IST GANZ EINFACH, DIE GEHÄUSE IN SOLIDWORKS NEU AUFZUBAUEN All dies fällt aber nicht vom Himmel, sondern muss Schritt für Schritt erarbeitet werden. Dafür bedarf es einer funktionierenden Prozesskette im gesamten Engineering-Bereich, von der Kundendatenübernahme bis zur Werkzeugmaschine. EINE SOFTWARE-FAMILIE IM MITTELPUNKT Nach jahrelanger Nutzung eines 2D-Systems haben die Verantwortlichen bei OKW Anfang der 2000er Jahre beschlossen, auf 3D umzusteigen. Dabei sollten CAD und CAM integriert sein, unter einer Benutzeroberfläche zu bedienen und mit nur einem internen Modell arbeitend. „Dazu haben wir uns zunächst auf der Messe umgeschaut und sicher nicht weniger als zehn Systeme begutachtet. Im Anschluss haben wir die für uns interessantesten Anbieter mit ihren Lösungen für eine ausführliche Präsentation eingeladen“, be- in DACH. Neben den Produkten von Solidworks hat DPS die CAM- Produkte von SolidCAM im Portfolio. Hinzu kommen DPS-eigene Module und Lösungen. Das Unternehmen hat 31 Standorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf über 450 gestiegen. Zurück zur Installation in Buchen: Heute hat OKW Gehäusesysteme 14 CAD- und vier CAM-Lizenzen (eine fünfte ist gerade angefragt). Dazu kommt eine Lizenz für iMachining und eine weitere für den Solidworks Composer. Die gesamte Installation wird über ein PDM-System verwaltet: Solidworks PDM Professional, mit 15 Lizenzen. Heute ist man mit dieser Systemlandschaft sehr zufrieden und baut sie langsam weiter aus. DATENKOMPATIBILITÄT AN JEDER STELLE Dieter Neukirchner und seine Kollegen bekommen die Kundendaten in sehr unterschiedlicher Aufbereitung: „Manche Kunden geben uns 3D-Modelle, meist als STEP- oder IGES-Daten. Von anderen bekommen wir nur Zeichnungen oder gar nur Handskizzen. Noch andere senden uns ihre Platine mit dem Hinweis, bitte baut dafür das passende Gehäuse – auch das machen wir“, so Neukirchner. Wenn die Daten direkt nach Solidworks übernommen werden können, dann tut man das gerne, meistens aber werden die Gehäuse neu in Solidworks aufgebaut. „Es geht ja so einfach“, kommentiert Neukirchner. Sind die Grunddaten im System, werden sie weiter bearbeitet, je nach Aufgaben des späteren Gehäuses. Hierbei spielt Solidworks all BLECHE ADAPTIV VERBINDEN Automatische Durchdringungserkennung unabhängig von Bauteil- und Schraubentoleranzen Automatische Anpassung der Prozessparameter Fortlaufende Optimierung des Prozessablaufs www.deprag.com

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