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DER KONSTRUKTEUR 3/2017

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DIGITALE

DIGITALE PRODUKTENTWICKLUNG SPECIAL Augmented Reality ist mehr als besessene Pokémon-GO-Jäger, die durch die Straßen ziehen. Die erweiterte Realität gestaltet die Zukunft des Internets der Dinge. Sie verändert das alltägliche Leben und unseren Umgang mit den realen Dingen – auch in den Unternehmen und speziell in den Entwicklungsabteilungen. Autor: Stephan Ellenrieder, Senior Vice President Zentral- und Osteuropa sowie Geschäftsführer Deutschland, PTC, München Die Technologie Augmented Reality (AR) erlaubt es, die reale Ansicht der physikalischen Welt mit digitalen Informationen in Form von Computergrafiken zu überlagern. Mit anderen Worten: Digitale und physikalische Welten werden in einer vereinten, visuellen Erfahrung zusammengeführt. Der explosive Anstieg bei intelligenten, mobilen Endgeräten wie Telefonen und Tablets sorgt dafür, dass AR in der Mitte der Gesellschaft ankommt. In den nächsten 6 bis 12 Monaten erwartet uns erneut ein rasanter Zuwachs bei brandneuen tragbaren Geräten wie Brillen, Schutzbrillen und sogar Helmen von Unternehmen wie ODG, Microsoft, Magic Leap, Oculus, Epson, Daqri und vielen anderen. Diese in der Hand oder am Körper getragenen Geräte sind notwendig, reichen aber allein noch nicht aus. Man benötigt Anwendungen, um damit echten Mehrwert zu erzielen – Anwendungen, die erweiterte, digitale Inhalte für die physikalische Welt generieren und anreichern. Diese können beispielsweise entstehen, wenn digitale 3D-Produktbeschreibungen mit Konnektivität und Analysemöglichkeiten zusammengeführt werden. Anders ausgedrückt: Das Wunder geschieht, wenn 3D-CAD auf IoT und AR trifft. Für Endverbraucher wurden bereits zahlreiche Anwendungen ent- 54 DER KONSTRUKTEUR 3/2017

DIGITALE PRODUKTENTWICKLUNG wickelt, allerdings kratzen diese meist nur an der Oberfläche der Möglichkeiten und schöpfen das Potenzial von AR bei weitem nicht aus. AR wird die Welt – und unser Leben – dann verändern, wenn wir es in den Unternehmen zum Einsatz bringen. NEUE WELTEN Die Anzahl der Einsatzmöglichkeiten der erweiterten Realität in Unternehmen ist nahezu unbegrenzt. So kann mit der Technologie die Produktentwicklung validiert werden, indem vor allem in den ersten Entwicklungsstadien keine aufwändigen physischen Proto typen mehr gebaut werden müssen, sondern der Entwickler einen sogenannten digitalen Zwilling auf dem Tisch oder im DAS WUNDER GESCHIEHT, WENN 3D-CAD AUF IOT UND AR TRIFFT Raum erschafft und sich darin bewegt. Virtuelle Anzeigetafeln ergänzen die Überwachung der Betriebsabläufe und Gerätezustände. Darüber hinaus können Produkte mit Steuerungen versehen werden, ohne dass diese direkt sichtbar sind. Auch der Produkteinsatz kann mit Hilfe von AR optimiert werden. Das fängt mit dem Wegfall konventioneller Benutzerhandbücher an – hier kommen stattdessen virtuelle Tutorien und Assistenten zum Einsatz – und hört bei eingeblendeten Vorschlägen für Betriebseinstellungen des Produkts auf Basis von Sensormessungen und der Analyse des Gerätezustands längst nicht auf. EINFACH IMPLEMENTIEREN Der Weg zur eigenen Augmented-Reality-Anwendung kann einfacher sein, als es zunächst klingen mag. Jedes zukünftige AR-Szenario verwendet Daten aus verschiedenen Systemen wie CAD, PLM oder SLM und setzt auf IoT-Plattformen wie ThingWorx als Basis auf. Um daraufhin ein wirkliches AR-Erlebnis zu bieten, können Unternehmen auf Plattformen wie Vuforia zurückgreifen. Speziell für die Anforderungen der Entwickler konzipiert, stellt dessen Kernstück, die Vuforia Engine, das digitale Auge in den Applikationen dar. Es wird mithilfe sogenannter Software Development Kits (SDKs) in die eigenen Applikationen eingefügt. Dieses Auge kann die Dinge im Anzeigebereich der Kamera identifizieren. Dazu gehören Bilder, Objekte und sogar Worte. Es teilt der Applikation mit, was, beziehungsweise welches „Ding“, es jeweils sieht und wo genau sich dieses befindet. Dann liegt es am Entwickler, auf Basis dieser Informationen ein AR-Erlebnis in Verbindung mit dem betrachteten Objekt zu gestalten. 01 02 01 Barcodes, QR-Codes und Ähnliches erweisen sich für die AR-Erlebnisse als unzureichend, PTC hat daher die ThingMark (früher VuMark) entwickelt – zu sehen hier am Beispiel KTM 02 Alle relevanten Informationen wie der Füllstand der Batterie oder die Temperatur der Maschine werden in Echtzeit angezeigt www.DerKonstrukteur.de "KEINE SINNVOLLE DIGITALISIERUNG OHNE PLM" Stephan Ellenrieder, Senior Vice President Zentral- und Osteuropa sowie Geschäftsführer Deutschland, PTC, München Ohne ein funktionierendes und umfassendes PLM-System wird keine Digitalisierungsstrategie in Unternehmen fruchten. Vor allem nicht in Zeiten sich verändernder Produkte und Produktionssysteme, die zunehmend intelligenter und vernetzter sind und sich darüber hinaus dank AR-Technologien besser visualisieren und erleben lassen. Natürlich verändern sich mit der Digitalisierung die Anforderungen an PLM-Systeme. Sie müssen z. B. in der Lage sein, Sensordaten vernetzter Produkte zu erfassen und in die Entwicklung zurückzuspielen, um sie beispielsweise mit Hilfe eines digitalen Zwillings auszuwerten. Und sie müssen die disziplinübergreifende Entwicklung dieser Produkte durch ein integriertes Application Lifecycle Management (ALM) unterstützen. DER KONSTRUKTEUR 3/2017 55

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