Aufrufe
vor 9 Monaten

DER KONSTRUKTEUR 3/2018

DER KONSTRUKTEUR 3/2018

AUTOMATISIERUNGSTECHNIK

AUTOMATISIERUNGSTECHNIK TITELSTORY ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT Mit seinem Portfolio dezentraler IP67-Lösungen zeigt ein Automatisierungsspezialist, wie bestehende Maschinen und Anlagen im Rahmen der Evolution einer Industrie 4.0 von Effizienzsteigerungen und erhöhter Transparenz profitieren können. Neu in seinem IP67-Baukasten ist ein I/O-Modul, das selbst Geräte mit seriellen Schnittstellen fit für die Zukunft macht. Autor: Aurel Buda, Produktmanager Fabrikautomation Systeme, Turck, Mülheim PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Während serielle Schnittstellen in der IT-Welt weitestgehend durch Ethernet und USB abgelöst sind, haben sie in der Industrieautomation bis heute einen guten Stand. Nicht nur lange genutzte Geräte haben die Schnittstelle an Bord, auch viele neue Produkte, von Barcode-Scannern und Lichtvorhängen über Drucker, Waagen und Bedienterminals, aber nicht zuletzt auch viele Antriebe kommunizieren über diese Schnittstellen. Auch deshalb legt Turck jetzt sein ultrakompaktes IP67-Ethernet-I/O-Modul zur Anbindung von seriellen Schnittstellen neu auf. Das TBEN-S2-2COM-4DXP bietet neben den beiden Ports für RS232 oder RS485 vier digitale Ein- oder Ausgänge. Die Charakteristik der seriellen Ports (RS232, RS485 oder Modbus RTU) kann frei gewählt werden. Die I/Os lassen sich dabei konfigurationslos als Ein- oder Ausgang nutzen. VERDRAHTUNG IM FELD SPART ZEIT UND KOSTEN Die neuen TBEN-S-Module erleichtern das Anbinden von Geräten mit serieller Schnittstelle erheblich. Abhängig von der gewählten Anschlusstechnik erreichen die Module Schutzart IP65/67 oder sogar IP69K und sind daher direkt im Feld auf der Maschine einsetzbar. Das verkürzt die Verdrahtungswege vom Modul zu den Geräten vor Ort. Vom I/O-Modul werden dann nur noch eine Ethernet- und eine Stromversorgung zum Schaltschrank geführt. Beide Leitungen, Power und Ethernet, können von Modul zu Modul als sogenannte „Daisy Chain“ (auf Deutsch: Gänseblümchenkette; eine Anzahl von Hardware-Komponenten, die in Serie miteinander verbunden sind) durchgeschleift werden, müssen also im Idealfall nur einmal vom Schaltschrank ins Feld geführt werden. Kleinere Geräte wie Barcodescanner versorgt das TBEN-S-2COM über den Bus-Stecker mit Leistung – auch hier verringert das I/O-Modul den Zeitaufwand und die Kosten für die Verdrahtung. KONFIGURIEREN STATT PROGRAMMIEREN Neben Einsparungen beim Verdrahtungsaufwand profitieren Anwender der Module auch davon, dass der Programmieraufwand für die Kommunikation mit Modbus-RTU-Geräten minimiert ist. Üblicherweise müssen Modbus-Zugriffe in der Steuerungsumgebung selbstständig programmiert und verarbeitet werden. Bei Turcks seriellem Modul ist Modbus RTU integriert. Der Nutzer muss lediglich Adressen und Prozessdatenbereiche konfigurieren. Danach übernimmt das Modul die Protokollverarbeitung und 14 DER KONSTRUKTEUR 3/2018

LIVE@ 01 02 01 Über RS485 können bis zu 32 Motoren pro COM-Port mit dem TBEN-S2-2COM verbunden werden, der Sensor für Vibration und Temperatur wird ebenfalls via RS485 mit dem Modul verbunden – so lassen sich Lagerschäden frühzeitig diagnostizieren 02 Industrie-4.0-Tools: Turcks I/O-Modulreihen FEN20, TBEN-S und TBEN-L unterstützen nicht nur Multiprotokoll-Ethernet (Profinet, Ethernet/IP und Modbus TCP in einer Gerätevariante), sondern sind auch als intelligente FLC einsetzbar tauscht Prozessdaten mit der Steuerung aus. Komplizierte Funktionsbausteine für Modbus werden nicht benötigt. Damit ist das Modul der perfekte Counterpart für zahlreiche Modbus-RTU-Geräte, wie etwa intelligente Sensorik oder auch die Lichtvorhänge von Turcks Optosensorik-Partner Banner Engine e- ring. Beispielsweise können bis zu 64 Pick-to-Light-Sensoren der K50-Serie von Banner an nur einem I/O-Modul betrieben werden. Kostengünstiger lassen sich Pick-to-Light-Anwendungen kaum aufbauen. Auch für Retrofitprojekte ist das 2COM-Modul das optimale Bindeglied, um bestehende Modbus-RTU-Teilnehmer in moderne Industrial-Ethernet-Netze zu integrieren. MOTORENSTEUERUNG MIT VORAUSSCHAUENDER WARTUNG Gerade in den Branchen Fördertechnik, Logistik und Verpackungstechnik werden häufig Motoren mit seriellen Schnittstellen verwendet. Ein gutes Beispiel sind die Movimot-Motoren von SEW- Eurodrive. In der Betriebsart RS485 können bis zu 32 Motoren pro COM-Port mit dem TBEN-S2-2COM verbunden werden. Mit dem QM42VT2 von Banner steht darüber hinaus ein Sensor zur Überwachung von Vibration und Temperatur zur Verfügung, der ebenfalls FIELD LOGIC CONTROLLER Mit den Field Logic Controllern (FLC) bietet Turck eine weitere hochflexible, anwenderfreundliche Automatisierungslösung. Möglich wird dies durch die browserbasierte Programmierumgebung Argee, die auf den Multiprotokoll- Block-I/O-Modulen TBEN-L, TBEN-S und FEN20 läuft. Sie basiert auf HTML5 und JavaScript und erlaubt dem Nutzer, Bedingungen und Aktionen auf einfachstem Weg zu programmieren – selbst im Feld mit mobilen Endgeräten. Argee wird dabei nicht jede SPS vollständig ersetzen, aber die Engineering-Software ermöglicht neue Wege in der Steuerungstechnik. Alle FLC-Geräte können eigenständig Applikationen steuern, arithmetische, Timer-, Counter- und Binärschalter-Funktionen ausführen sowie Daten mit übergeordneten Steuerungen austauschen. Der Anwender kann zwischen den Modi Flow und Pro wählen. Mit Argee Flow kann ein FLC n mit Boole‘scher Logik konfiguriert werden n Eingangs- und Ausgangssignale logisch verknüpfen n bis zu zwei Timer und Counter verwenden n mit einer SPS kommunizieren Mit Argee Pro kann ein FLC n arithmetische Operationen ausführen n zahlreiche interne Variablen, Timer und Counter bis zu 6 kB Gesamtgröße verwenden n umfangreichere Daten mit einer SPS austauschen n IF-Bedingungen und Zustandsfolgen ausführen DER KONSTRUKTEUR 3/2018 15

AUSGABE