Aufrufe
vor 1 Jahr

DER KONSTRUKTEUR 5/2016

DER KONSTRUKTEUR 5/2016

ANTRIEBSTECHNIK Damit

ANTRIEBSTECHNIK Damit kein Funke überspringt Kupplungen für den Einsatz im Ex-Bereich Auch mechanische Bauteile wie Kupplungen müssen beim Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen hohe Sicherheitsvorschriften erfüllen. Geregelt werden die in der Atex-Produktrichtlinie 2014/34/EU. Sie macht die Kupplung nicht nur zum Gerät, sondern formuliert auch akribisch ein strenges Anforderungsprofil. Für eine Explosion braucht es nur wenige Zutaten wie z. B. eine brennbare Substanz in zünd fähiger Konzentration sowie ausreichend Sau erstoff, dazu eine Zündquelle wie eine heiße Oberfläche oder auch Funken. Zünd gefahren können aber auch durch Erwärmung oder infolge elektrostatischer Aufladung entstehen und Explosionen einleiten. Besonders Kupplungen bergen hier ein großes Zündpotenzial. Die europäische Atex-Produktrichtlinie 2014/34/EU stellt grundlegende Sicherheits- und Gesundheits anforderungen an die Produkte, welche in ex plosionsgefährdeten Bereichen betrieben werden sollen. Dabei betrachtet und beurteilt die Richtlinie auch nicht-elektrische Betriebsmittel im Hinblick auf eine potenzielle Explosionsgefahr – und hat damit weitreichende Auswirkungen auf die Auswahl, die Installation, den Betrieb und die Wartung von mechanischen Geräten und Gerätebestandteilen. Wer eine Kupplung für den Einsatz im explosionsgefährdeten Bereich projektiert, muss vieles beachten: Welchen Einfluss hat die Atex-Richtlinie auf die Auswahl der Kupplung? Zu welcher Gerätekategorie gehört die Kupplung im konkreten Einsatzfall? Wie ist der Kupplungsschutz im Ex-Bereich auszuführen? Kann die Kupplung in der geforderten Temperaturklasse eingesetzt werden? Anwendungsbereich, Konformität und Kennzeichnung Da eine Kupplung Energie überträgt und durch Erwärmung, Funkenschlag oder elektrostatische Aufladung eine eigene potenzielle Zündquelle besitzt, ordnet die Atex- Produktrichtlinie 2014/34/EU sie den Geräten zu. Diese Produkt-Kategorie teilt sich in zwei Gruppen auf: Gruppe I umfasst den Bergbau, Gruppe II alle anderen Bereiche, die durch eine explosionsfähige Atmosphäre gefährdet werden können. Die Gerätegruppen sind wiederum in Sicherheitskategorien unterteilt (von „sehr hohe Sicherheit“ bis „sicher im Normalbereich“); dazu kommen die Anordnungen von Stoffgruppen („Gase“ und „Stäube“) und geeignete Zonen (0, 1, 2, Um die Risiken beim Einsatz im Ex-Bereich bewerten zu können, sollten Kupplungshersteller und Anwender ihr Wissen zusammenführen 20, 21, 22). Die Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche in Zonen richtet sich nach der wahrscheinlichen Häufigkeit und Dauer des Auftretens einer explosionsfähigen Atmosphäre, die definiert wird als ein Gemisch aus brennbaren Gasen und Luft, Dämpfen, Nebel oder Stäuben. Aufgrund ihrer besonderen Zündfähigkeit werden die Stoffe in zwei Explosionsgruppen eingeteilt. Die Explosionsgruppe I gilt für explosionsgefährdete Bereiche, die durch Stoffe in Grubenbauen gebildet werden, z. B. Methan, und die Explosionsgruppe II für solche, die durch alle übrigen gasförmigen und flüssigen Stoffe entstehen. In Abhängigkeit ihrer Zündempfindlichkeit werden die Stoffe der Gruppe II gekennzeichnet nach IIA (z. B. Aceton, Benzin, Toluol), IIB (z. B. Ethen, Ethylenoxid, Diethylether) oder IIC (z. B. Wasserstoff, Acetylen, Schwefelkohlenstoff). Kommen beschichtete Kupplungen in der Explosionsgruppe II zum Einsatz, so ist die Anforderung 22 Der Konstrukteur 5/2016

01 Jede Kupplung für die Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen muss unauslöschbar als solche gekennzeichnet werden RUNDTISCHE 02 Zu den Mindestangaben zählen CE- und Explosionsschutzkennzeichen, Gerätegruppe und -kategorie, Zündschutzart, Explosionsgruppe und Temperaturklasse (Beispiel Rotex) Wir bewegen. an die Leitfähigkeit der Beschichtung sowie die Schichtdicke zu beachten. Bei isolierenden Beschichtungen bis 200 μm ist in den Gruppen IIA, IIB und IIC keine elektrostatische Aufladung zu erwarten. Bei einer Schichtdicke bis 2000 μm ist der Einsatz jedoch nur noch für die Gruppen IIA und IIB zulässig. Je nach Zündtemperatur werden die Stoffe überdies nach Temperaturklassen (von »T1 ≤ 450 °C« bis »T6 ≤ 85 °C«) eingeteilt. Die Temperaturklasse ist dabei nicht, wie häufig fälschlich angenommen, die Einsatztemperatur des Betriebsmittels, sondern die am Betriebsmittel maximal Stuttgart 31.05. – 02.06.2016 LASYS Halle 4 Stand D39 www.hiwin.de Der Konstrukteur 5/2016 23 HIWIN.indd 1 22.04.2016 10:27:27

AUSGABE