Aufrufe
vor 1 Jahr

DER KONSTRUKTEUR 5/2017

DER KONSTRUKTEUR 5/2017

SPECIAL SENSORTECHNIK

SPECIAL SENSORTECHNIK SPECIAL

SENSORTECHNIK AUTOMATISIERUNG AHOI! Die Superyacht Limitless ist im Prinzip ein schwimmender Transformer: Ihr Heck lässt sich als Schwimmplattform ausfalten. Hier ist robuste, kompakte Automatisierungstechnik gefragt: Inclinometer erfassen die Neigung der einzelnen Plattformen, wenn sie aufs Wasser gelassen werden. Und das ist nicht das einzige automatisierte System an Bord. Kompakte IP69K-Block-I/O-Module sorgen auf der Yacht für zuverlässige Ethernet/IP-Kommunikation von Sensorik/ Aktorik und Steuerung. Autor: Maarten Rambach, Business Development Manager für Automation Systems, Turck B.V., Niederlande M it rund 97 m Länge gilt die Limitless als Superyacht. Das Schiff wurde 1997 bei der Lürssen-Werft in Bremen vom Stapel gelassen. Im Grunde kein Alter für ein Schiff, doch binnen 20 Jahren hat sich in der Elektronik und der Automatisierungstechnik einiges getan. Zumal die elektrischen Einrichtungen der Yacht eher 24 Jahre alt sind, da sie kurz nach Baubeginn der Yacht installiert wurden. Vom Baubeginn bis zur Fertigstellung eines Schiffs dieser Größenordnung vergehen ungefähr vier Jahre. Das Schiff verfügt über zwei Boarding-Leitern, zwei kleine Plattformen, die aufs Wasser gesenkt werden können und zwei große Plattformen. Eine davon öffnet sich, um ein kleines Boot, den sogenannten Tender, zu Wasser zu lassen. Die andere am Heck kann als Schwimmplattform auf die Wasseroberfläche gesenkt werden. Zum Ausfahren der Schwimmplattform öffnet sich das Heck des Schiffs und die Plattform klappt aus. Außerdem verfügt das Schiff noch über eine Gangway am Heck, die sich ebenfalls aus dem Rumpf des Schiffs ausfahren lässt. Über sie kann man heckseitig auf die Yacht gelangen. Zusätzlich verfügt die Yacht über zwei Krane: einen am Bug, um das MOB-Boot (man over board) zu Wasser zu lassen und einen, der den Tender ins Wasser heben kann. Nicht zu vergessen der Swimmingpool, der sich durch absenken eines Teils des Teakholzbodens auf dem Hauptdeck öffnet. Außerdem kommen noch die zahlreichen automatisch betriebenen und gesicherten Türen der Yacht hinzu. All diese Einrichtungen sind hydraulisch betrieben. Eine moderne Steuerungstechnik war beim Bau der Limitless noch nicht installiert worden. Mit Relaiskonstruktionen und einfachen Punkt-zu-Punkt- Verbindungen wurden die Einrichtungen gesteuert. In den letzten Jahren häuften sich Defekte an den beweglichen Einrichtungen der Yacht. Und auch die funktionierenden beweglichen Elemente entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik. Eine zentrale Steuerung war nicht möglich. Alles musste über Druckknöpfe vor Ort bedient werden. Zur technischen Überholung der gesamten Yacht wandte sich der Kapitän an die Firma Akerboom Yacht Equipment im niederländischen Leiden. Das Unternehmen hat sich im Bereich der elektrotechnischen Ausstattung von Schiffen einen Namen gemacht und ist Teil der Feadship-Gruppe, zu der auch die Werft De Vries zählt. ETHERNET-IP-STEUERUNGEN ERSETZEN INSELLÖSUNGEN Auf dem Schiff hatte bislang jeder Kran und jede automatische Plattform einen eigenen Schaltkasten, in dem die Signale der Geräte und Antriebe direkt verdrahtet waren. Eine zentrale Steuerung existierte nicht. Diese zahlreichen Insellösungen ersetzte Akerboom durch I/O- Module mit Ethernet/IP-Kommunikation und zwei moderne Steuerungen. Ed Groen in `t Woud von Akerboom hat das Projekt von der technischen Seite geleitet und maßgeblich umgesetzt: „Uns war WO FRÜHER SCHALTSCHRÄNKE STANDEN, SIND HEUTE TAUCHER- ANZÜGE UNTERGEBRACHT schnell klar, dass wir für die automatisierten Systeme eine moderne Industriesteuerung benötigen. Wir haben uns für zwei Allen-Bradley- Steuerungen mit Ethernet/IP-Kommunikation entschieden.“ Beide Steuerungen sind vernetzt und können vom zentralen Kontrollraum erreicht werden. Theoretisch hätte auch eine Steuerung ausgereicht, aber bei knapp 100 m Schiffslänge wäre der Verdrahtungsaufwand zu hoch geworden. I/O-MODULE SPAREN PLATZ UND ZEIT „Auf der Suche nach der richtigen I/O-Lösung bin ich auf Turck gestoßen. Ich suchte nach robusten I/O-Blocks, die meine Signale DER KONSTRUKTEUR 5/2017 37

AUSGABE