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DER KONSTRUKTEUR 5/2017

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KLARTEXT WAS MUSS EIN

KLARTEXT WAS MUSS EIN SENSOR KÖNNEN? DR. C. THOMAS SIMMONS Geschäftsführer, AMA Verband für Sensorik und Messtechnik, Berlin Sicherlich messen Sensoren auch zukünftig und speisen Signale in Bussysteme ein. Wichtig ist, was daraus gemacht wird. Das gilt für Anwender und für Sensor- und Messtechnik-Hersteller. Aus meiner Sicht ist noch nicht entschieden, ob die Innovation im Sensor oder in der Anwendung umgesetzt wird, es gibt derzeit keinen einheitlichen Trend die Intelligenz in den Sensor zu bringen. Je nach Anwendung kann die Intelligenz im Gehäuse des Sensors implementiert werden oder in dem angeschlossenen technischen System, wichtig ist die Verknüpfung. Derzeit ist der virtuelle Zwilling ein heißes Thema, aus dessen Sicht kann die Intelligenz durchaus als Algorithmus implementiert werden und weit vom Sensor entfernt ablaufen. Die besondere Kompetenz der Sensor- und Messtechnik-Hersteller ist und bleibt aber bei allen Lösungen gefordert. Die Welt ist im Umbruch. Das gilt auch für den Sensor. Bislang war es seine Aufgabe, physikalische Größen zu erfassen, in einen Strom, bzw. eine Spannung oder ein digitales Feldbusdatum umzuwandeln und diese an die Maschinensteuerung weiterzugeben. Dieser einheitliche Weg wird durch die Entwicklung zur Industrie 4.0 nun aufgeweicht. Aber gilt das für alle Bereiche der Sensorik und für alle Branchen des Maschinenbaus gleichermaßen? Was wird von Sensoren heute verlangt? Und was werden bzw. müssen sie in Zukunft können? ES IST NOCH NICHT ENTSCHIEDEN, OB DIE INNOVATION IM SENSOR ODER IN DER ANWEN- DUNG UMGESETZT WIRD INDUSTRIE 4.0 BEDEUTET AUCH, SINNVOLLE INHALTE VON MESSDATEN ZU GEWÄHRLEISTEN SPECIAL MARTIN RIEDEL Produkt-Marketing, imc Meßsysteme GmbH, Berlin Industrie 4.0 bedeutet nicht nur, technische IT-Infrastruktur zu organisieren, sondern insbesondere auch, sinnvolle Inhalte von Messdaten zu gewährleisten, damit diese mit Leben gefüllt werden können. Dazu gehören optimal angepasste Analog-Front-Ends, leistungsfähige intelligente Datenlogger, Live-Datenanalyse zur Reduktion und Veredelung sowie Cloud-Konnektivität und die Unterstützung von Standard- Protokollen. Mit durchgängigen und intuitiven Tools aus einer Hand ist das keine Hexerei, exklusiv nur für Spezialisten. Tatsächlich wird so die Vision von Smart Data schon heute in vielen unserer Kundenanwendungen zur gelebten Realität. 40 DER KONSTRUKTEUR 5/2017

KLARTEXT DR. ANGELIKA CARSTENS Geschäftsführerin, Delta-R GmbH, Mannheim In der Zukunft werden wir als Sensorhersteller voraussichtlich nicht mehr Anforderungen für Sensoren erhalten, sondern Anforderungen für die Lösung einer Aufgabe. Wie viele und welche Typen von Sensoren verwendet werden, können wir als Lieferanten wahrscheinlich selber entscheiden. Die Erfüllung eines vom Kunden gesteckten Ziels wird wahrscheinlich unsere Aufgabe sein. Ein Beispiel für eine solch erweiterte Aufgabe ist die Vermeidung von Stillstandszeiten durch vorbeugende Wartung bei gesetztem Budget. Als Selbstverständlichkeit wird angesehen werden, dass Sensoren untereinander, mit den anderen vor Ort befindlichen Sensoren und Maschinen, sowie mit der ganzen Peripherie kommunizieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Sensorhersteller diese Zukunftsaufgabe nur in Partnerschaft und Kooperation mit anderen Firmen – und damit meine ich nicht nur andere Sensorhersteller – meistern können. Diese neuen Aufgaben werden unsere Kunden- und Lieferantenbeziehungen grundlegend verändern. Als Sensorhersteller freuen wir uns über die neuen Anforderungen und die damit verbundenen Chancen. ES WERDEN KEINE SENSOREN MEHR VERKAUFT, SONDERN DIE LÖSUNG EINER AUFGABE SENSOREN WERDEN MULTIFUNKTIONAL, SIE LIEFERN JEDE MENGE NEBEN­ INFORMATIONEN JÖRG PAULUS General Manager, Sales – Europe, POSITAL-FRABA, Köln Sensoren werden multifunktional. Sie liefern nicht mehr nur ihre ureigenen Sensorwerte, sondern jede Menge Umgebungs- und Nebeninformationen. Voraussetzung sind digitale Schnittstellen. Nur so gibt’s übergreifende Kommunikation. Was das heißt, zeigt ein Blick auf die neuen magnetischen Kit-Encoder, die wir Motor-OEMs als Alternative zu analogen Resolvern und aufwändigeren optischen Feedback-Systemen anbieten. Mit dem digitalen Interface sind wir bestens für Industrie 4.0 aufgestellt. Problemlos lassen sich von unseren Gebern diverse Performance-Parameter abrufen und dokumentieren. Dies betrifft nicht nur Positionsdaten, sondern auch Größen wie Temperatur oder Datenqualität. Konkret bieten wir die Möglichkeit, Daten an mehreren Stellen zu hinterlegen. Dies gilt etwa für das elektronische Typenschild – mit Informationen wie Seriennummer, Herstellungsdatum und Auflösung. Dies ist nicht das Ende der Fahnenstange. In Zukunft werden Sensoren vermutlich auch untereinander vernetzter und brauchen keine zentrale Steuerung mehr. DER KONSTRUKTEUR 5/2017 41

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