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DER KONSTRUKTEUR 9/2019

DER KONSTRUKTEUR 9/2019

MENSCHEN UND MÄRKTE

MENSCHEN UND MÄRKTE INTERVIEW KREATIVITÄT IST WIE EIN MUSKEL, DEN MAN TRAINIEREN KANN Der Begriff „agile Entwicklung“ kommt aus dem IT-Umfeld und etabliert sich langsam aber sicher auch im Projektmanagement und in der Konstruktion. Aber was ist eigentlich agil, welche Prinzipien liegen dabei zugrunde und was verlangen diese neuen Ansätze vom Konstrukteur? Wir haben bei Simon Blake nachgefragt, er ist Experte für agiles Arbeiten sowie Gründer und Geschäftsführer der Launchlabs in Berlin, die seit 2012 Innovationsberatung anbieten. Worum geht es bei der agilen Entwicklung? Agile Entwicklung ist ein Weg, mit komplexen Problemstellungen umzugehen. Drei Dinge zeichnen agiles Arbeiten aus. Erstens: Man geht iterativ, also in Lernschleifen, sogenannten Sprints, vor. Zweitens: Man arbeitet kross-funktional, d. h. nicht in Silos, sondern als ein Team, das gemeinsam für den Erfolg verantwortlich ist. Und drittens: Man betrachtet ein Problem aus der Brille des Nutzers, um dem wahren Kundenbedürfnis auf die Spur zu kommen. Durch den Perspektivwechsel fällt es leichter, Empathie aufzubauen und nutzerzentrierte Lösungen zu entwickeln. Welche Ansätze gibt es dabei? Design Thinking, Scrum, aber auch Kanban und Lean Startup gehören dazu. Ich würde es nicht unbedingt als Methoden bezeichnen, sondern wir reden von Ansätzen oder Methodologien, und in diesen Ansätzen kann man dann verschiedene Methoden, wie z. B. Brainstorming anwenden. 12 DER KONSTRUKTEUR 9/2019

Was sind die Vorteile der agilen Entwicklung? Durch das iterative Vorgehen in der agilen Entwicklung kann ich Risiken minimieren. Wenn ich es mit einem komplexen Problem zu tun habe und mir einen Masterplan mache, dann kann der stimmen, er kann aber auch nicht stimmen – das bekomme ich meistens erst am Ende heraus. Wenn ich dann bemerke, dass ein Fehler entstanden ist, dann kostet der mich sehr viel, vielleicht sogar das Überleben des Unternehmens. Der große Vorteil von agilen Ansätzen ist, dass das Risiko verlagert wird. D. h. ich habe durch diese verschiedenen Sprints, verschiedene Testschleifen, in denen ich immer schon über Nutzerfeedback in der Realität, über kleinere Experimente Rückmeldung bekomme und wenn ich merke, da habe ich etwas falsch gemacht, dann habe ich ein Lernerlebnis und kann frühzeitig reagieren. Das ist etwas, was agile Arbeit sehr robust macht gegenüber unsichtbaren Ereignissen und unplanbaren Dingen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die agilen Prozesse, sehr viel mit Selbstorganisation zu tun haben, was gerade junge Leute als sehr motivierend empfinden. D. h. wir reden nicht nur über eine Art, wie Probleme gelöst werden, sondern wir reden auch über eine Art der Zusammenarbeit, die sehr sinngetrieben und selbstbestimmend ist und dadurch auch eine ganz andere zwischenmenschliche Qualität in der Zusammenarbeit erzeugen kann. Was sind denn die gefragten Skills, welche Fähigkeiten müssen Konstrukteure für diese Art der Entwicklung mitbringen? Neben der fachlichen Expertise, die möglichst hoch sein sollte, braucht er noch einen Überbau der kommunikativ ist, emphatisch, auch das Interesse für andere Expertisen, dass man auch Lust dazu INFO: VDW – Generalkommissariat EMO Hannover 2019 Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. Corneliusstraße 4 · 60325 Frankfurt am Main · GERMANY Tel.: +49 69 756081-0 · Fax: +49 69 756081-74 emo@vdw.de · www.emo-hannover.de VDW.indd 19xxx_World 1 of industries_185x130_gb.indd 1 26.02.2019 25.02.19 12:11:03 14:06 DER KONSTRUKTEUR 9/2019 13

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