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DER KONSTRUKTEUR 1-2/2019

DER KONSTRUKTEUR 1-2/2019

HYGIENIC DESIGN SAUBERE

HYGIENIC DESIGN SAUBERE LEITUNG SPECIAL In der Produktion von Lebensmitteln ist Hygiene oberstes Gebot. Dementsprechend müssen die hier verbauten Komponenten besondere Anforderungen erfüllen. Das gilt auch für Kabel und Kabelverschraubungen. Dabei zählt jedes Detail. Bakterien, aggressive Reinigungsmittel, heißer Dampf – Maschinen in der Lebensmittelproduktion müssen einiges aushalten. Am besten werden sie von vornherein so konstruiert, dass sich zum Beispiel Spritzer von Lebensmitteln gar nicht erst auf Oberflächen festsetzen können. Die Maschinen- und Anlagenbauer haben das erkannt und orientieren sich zunehmend an solchen Prinzipien des Hygienic Design. Diese Prinzipien hat sich die „Safe Food Factory“ auf die Fahnen geschrieben, die sich auf Initiative der European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG) gebildet hat. Sie erarbeitet Empfehlungen für die Auswahl und Installation von Anlagen und Komponenten in der Lebensmittelindustrie. Eine Empfehlung ist, dass Komponenten an den lebensmittelverarbeitenden Anlagen möglichst wenige Ecken und Kanten haben sollen. So finden Schmutz und Bakterien keinen Halt und Reinigungsflüssigkeit kann ungehindert abtropfen. Dabei müssen die Konstrukteure auch an Details denken, zum Beispiel an hygienegerechte Kabelverschraubungen. Ein Beispiel für gelungenes Hygienic Design ist die Skintop Hygienic von Lapp. Die Kabelverschrau- bung ist nach der neuesten besonders strengen EHEDG-Prüfung zertifiziert und lehnt sich an die allgemeinen Gestaltungsgrundsätze der DIN EN 1672-2 für die Nahrungsmittelindustrie an. Sie besteht aus Edelstahl der Klasse V4A (1.4404) und ist für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln in der Produktion verwendbar. Statt eines O-Rings besitzt die Schlauchverschraubung über dem Anschlussgewinde eine Formdichtung aus einem lebensmittelechten FKM-Elastomer. DICHT VERSCHLOSSEN Eine Kabelverschraubung dient dazu, Leitungen dicht durch eine Gehäusewand zu führen, zum Beispiel in einen Schaltschrank. Dazu werden häufig vor der Bestückung Löcher vorgebohrt, mitunter mehr als man hinterher benötigt. Natürlich müssen diese überzähligen Löcher abgedichtet werden, bevor die Anlage in Betrieb geht, denn sonst würden hier Flüssigkeiten eindringen und zu einem Kurzschluss führen. Diese Aufgabe übernimmt ein Blindstopfen. So einfach dieses Bauteil erscheint, so kritisch ist es. Lapp hat deshalb den neuen Blindstopfen Skindicht Hygienic BL nach den Prinzipien der Skintop-Kabelverschraubung konstruiert: mit einem Körper aus Edelstahl und einer Dichtung aus FKM. Zum Montieren hat der Hut zwei abgeflachte Kanten, an denen der Monteur einen Gabelschlüssel ansetzen kann. Spalten oder Hohlräume gibt es nicht, Keime finden hier keinen Halt. Beide Produkte sind geeignet für alle drei Bereiche in der Lebensmittelverarbeitung, also auch für die Produktzone, in der die Komponenten regelmäßig mit dem Lebensmittel in Berührung kommen. Beispiele sind Rührer, Fülldüsen, Messer oder Schneidevorrichtungen. 32 DER KONSTRUKTEUR 1-2/2019

HYGIENIC DESIGN Darüber hinaus gibt es zwei weitere Hygienezonen: Die Spritzzone umfasst diejenigen Bereiche und Maschinen, die mit dem Lebensmittel in Berührung kommen können, etwa durch Verspritzen. Ob das Lebensmittel zurück in die Produktzone gelangen kann, bewertet ein Gutachter oder der Hersteller in einer Risikoanalyse. Die Nicht-Produktzone schließlich, besteht aus allen Bereichen und Einrichtungen in einer Fabrik, die nicht direkt mit dem Lebensmittel in Berührung kommen. Dennoch werden auch diese oft zusammen mit den beiden anderen Bereichen gereinigt. Ist es nicht möglich, Kabel von der Produktzone fernzuhalten, etwa für einen Temperatur- oder Füllstandssensor in einem Fermenter, so müssen sie besonders geschützt werden. Oft werden sie dann in Edelstahlrohren verlegt – was allerdings ein erheblicher Kostenfaktor ist. Der Trend geht deshalb dahin, zumindest in der Spritzzone und der Nicht-Produktzone Kabel offen oder in Schutzschläuchen zu verlegen. Die müssen dann besonders robust sein gegen saure und basische Reinigungsmittel und heißen Dampf. Bei großen Temperaturschwankungen kann sich Kondenswasser bilden und im Schutzschlauch sammeln – auch das ist auf Dauer nicht hygienisch. In diesem Fall ist eine offen verlegte hochbeständige Leitung in Verbindung mit einer entsprechenden Kabelverschraubung die bessere Wahl. GLATTE OBERFLÄCHE Bei den Kabeln haben sich die Materialforscher von Lapp eine Alternative zum gängigen PUR einfallen lassen: Spezial-TPE, wobei TPE für „thermoplastisches Elastomer“ steht. Dieser Kunststoff besteht aus einer thermoplastischen Phase (z. B. Polypropylen (PP)) sowie einem Elastomer (z. B. Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EP- DM)). Außerdem werden Additive zugesetzt, die in die Compoundmatrix eingebaut werden und die eine extrem glatte Oberfläche schaffen. Dieses Spezial-TPE übertrifft laut Lapp PUR oder nichtoptimiertes TPE in vielen Eigenschaften, insbesondere ist es resistent gegen Bioöle, Fette, Lebensmittelsäuren und Wasser. Trotz des Verzichts auf PUR sind Kabel wie die Ölflex Robust 200 widerstandsfähig genug, um auch offen auf dem Boden verlegt zu werden. Eine Alternative ist die geschützte Verlegung von Kabeln in einem Kabelschlauch wie dem Silvyn FG NM mit der dazu passenden Schlauchverschraubung Silvyn Hygienic. Beide erfüllen ebenfalls die Ecolab-Vorgaben bezüglich der Beständigkeit gegen Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Lapp bietet eine große Auswahl an Kabeln für die Lebensmittelindustrie an, außerdem Rund- und Rechtecksteckverbinder wie den korrosions- und salzwasserbeständigen Rechtecksteckverbinder Epic Ultra. Kabelverschraubungen für den Einsatz in Kühlbereichen wie die Skintop Cold mit einem Einsatzbereich bis -70 °C runden das Programm ab. Auch an Details hat Lapp gedacht. Zum Beispiel an Edelstahlmarkierungen zur Beschriftung von Leitungen und Schläuchen. Flexmark Stainless Steel sind korrosionsfrei und damit für die Produktzone geeignet. Befestigt werden sie mit speziellen Kabelbindern, die blau sind und einen Anteil an Metall enthalten, damit sie leicht zu finden und magnetisch herauszupicken sind, falls sie doch einmal in einen Behälter mit Milch fallen sollten. Bilder: LAPP www.lapp.de DER MANTELWERKSTOFF – EIN SPEZIAL-TPE – IST RESISTENT GEGEN BIOÖLE, FETTE, LEBENS- MITTELSÄUREN UND WASSER Drei unterschiedliche Hygienezonen in der Lebensmittelverarbeitung: Produktzone, Spritzzone, Nicht-Produktzone

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