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DER KONSTRUKTEUR 12/2019

DER KONSTRUKTEUR 12/2019

KONSTRUKTIONSELEMENTE

KONSTRUKTIONSELEMENTE UNSER ANGEBOT AN RESSOURCENSCHONENDEN LÖSUNGEN WÄCHST Bei dem Hersteller von Kunststoffspritzguss- und Thermoformartikeln Pöppelmann ist Recycling seit über 45 Jahren Thema. In der Initiative Pöppelmann Blue bündelt das Unternehmen seit 2018 alle Aktivitäten, die einen komplett geschlossenen Materialkreislauf vorantreiben sollen. Das betrifft alle Divisionen, also neben Produkten für den Gartenbau und Verpackungen auch technische Bauteile und Schutzelemente. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen, finden wir. Also sprachen wir mit Matthias Lesch, einem der drei Geschäftsführer, verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Innovation. PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Mit Pöppelmann Blue wollen Sie Rezyklate einsetzen und den Materialkreislauf schließen, was bedeutet das? Pöppelmann setzt schon über 45 Jahre Rezyklate ein. Rezyklat ist der Überbegriff für Kunststoffabfälle, die als Mahlgüter, Granulate oder in anderen aufbereiteten Formen für die Wiederverwertung in der Kunststoffproduktion zur Verfügung stehen. Zunächst haben wir Rezyklate aus Abfällen der kunststoffverarbeitenden Industrie eingesetzt, zum Beispiel Stanzgitter. Diese Materialien nennen wir Post-Industrielle-Rezyklate (PIR). Wir setzten hiervon immer noch große Mengen ein. PIR liegen häufig sortenrein und ohne Verunreinigung vor und sind daher sehr einfach wiederverwertbar. Mittlerweile setzten wir immer stärker auf Post-Consumer-Rezyklate (PCR). Der hier aufbereitete Abfall besteht aus Kunststoffprodukten, die gemäß ihrer Bestimmung genutzt worden sind. Hierbei kann es sich um Kunststoffverpackungen handeln, die über den Gelben Sack gesammelt wurden, aber auch um Produkte, die in Industrie und Handel genutzt worden sind, zum Beispiel Folien abfälle. Wenn ein Produkt aus PCR hergestellt wird, in dem vergleichbare Produkte enthalten sind, ist der Materialkreislauf auf einer Wertschöpfungsebene geschlossen. Das nennen wir dann Pöppelmann Blue. Wie gehen Sie das Thema für die technischen Bauteile der Division K-Tech und die Schutzelemente von Kapsto an? Pöppelmann Kapsto hat ressourcenschonende Schutzelemente in der Farbe Recycling Blue entwickelt, deren Kunststoffanteil zu 100 % aus Rezyklat besteht und die gleichzeitig die bekannte Kapsto-Qualität bieten. Zusätzlich werden Kreislaufsysteme erprobt, bei denen die Kappen und Stopfen nach dem Gebrauch an uns zurückgeführt und zu neuen Schutzelementen verarbeitet werden. 14 DER KONSTRUKTEUR 12/2019

KONSTRUKTIONSELEMENTE Pöppelmann K-Tech steht für technische Kunststofflösungen, die seit über 25 Jahren zum Teil auch aus Recyclingmaterial bestehen, z. B. Batteriegehäuse, die viele Jahre im Fahrzeug verbleiben. Derzeit arbeitet die Division daran, auch für diese Produkte den Materialkreislauf zu schließen. Unser Angebot an ressourcenschonenden Lösungen wächst ständig. Gemeinsam mit Projektpartnern sind diverse Kreislaufwirtschaftsprojekte in der Erprobung, die bei Erfolg auf weitere Kunden ausgedehnt werden sollen. Nachhaltigkeit liegt beim Endverbraucher im Trend, aber ist die Nachfrage in der Industrie tatsächlich da? Das Circular-Economy-Modell hat über die letzten Jahre enorm an Bedeutung gewonnen. Es beschreibt den Wandel von einem linearen Wirtschaftsmodell zu einem System der geschlossenen Kreisläufe. Wir glauben, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema große Chancen für die europäische Industrie bietet und ganz besonders für die Kunststoffbranche, eine weltweite Führungsrolle bei der Entwicklung neuer Materialien und Technologien zu übernehmen. Das Feedback unserer Kunden und auch unsere Gespräche auf der K 2019, Weltleitmesse der Kunststoffindustrie, belegen, dass quer durch alle Branchen ein Umdenken stattfindet. Die Kunststoffindustrie ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Längst wird intensiv an umweltverträglichen Produkten und Prozessen geforscht und an vielen Stellen konnten bereits Erfolge erzielt werden. Woran erkennt man, dass Unternehmen es wirklich ernst mit der Kreislaufwirtschaft nehmen und nicht einfach Greenwashing betreiben? Zertifikate sind eine gute Möglichkeit, Glaubwürdigkeit zu erreichen. Der Einsatz von PCR lässt sich zum Beispiel mit dem Umweltzeichen der Bundesregierung „Blauer Engel“ nachweisen. Aktuell arbeiten wir daran, auch Kapsto-Produkte für den Blauen Engel zu zertifizieren. Zudem rief der Grüne Punkt gemeinsam mit Partnern die RAL- Gütegemeinschaft „Rezyklate aus der haushaltsnahen Wertstoff- 01 Das Granulat in der Farbe Recycling Blue besteht zu 100 % aus Rezyklat sammlungen e. V.“ ins Leben. Das RAL-Siegel weist nach, dass im entsprechenden Produkt beziehungsweise der Verpackung tatsächlich und lückenlos rückverfolgbar Rezyklate aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne eingesetzt worden sind. Pöppelmann ist das erste Unternehmen, das Produkte mit diesem Siegel auszeichnen durfte. Eine weitere Übersicht darüber, was wir tatsächlich und nachweislich tun, befinden sich in unserem Nachhaltigkeitsbericht, den wir pünktlich zur diesjährigen K-Messe herausgebracht haben. Sie hatten vor einem Jahr eine Zusammenarbeit mit dem Landmaschinenhersteller Grimme gestartet. Gibt es mittlerweile weitere Partner – auf Kunden-, oder vielleicht auch auf Anbieter-Seite? Die Schutzelemente aus Kunststoff im Geschäftsbereich Kapsto sind oft Einwegartikel und werden nach Gebrauch entsorgt. In Starter-Projekten erprobt Pöppelmann Kapsto mit langjährigen Kunden aus der Industrie, darunter namhafte OEMs, die Sammlung der Stopfen und Kappen nach Entfernung und die Rückführung an uns. So können diese Schutzelemente unserem Recyclingprozess wieder zugeführt, vollständig aufbereitet und wiederverwertet werden, damit auch hier ein geschlossener Materialkreislauf erreicht wird. Darüber hinaus gibt es diverse gängige Normreihen der Schutzelemente alternativ als ressourcenschonende Schutzelemente in der Farbe Recycling Blue. Hier wird als Kunststoff für die Fertigung ausschließlich Rezyklat eingesetzt. Wo stoßen Sie auf Hindernisse? Pöppelmann Famac entwickelt und produziert Komponenten und Verpackungen aus Kunststoff für die Pharma- und Lebensmittelindustrie, die höchste Sicherheits- und Hygieneanforderungen erfüllen müssen. Angesichts der regulatorischen Vorschriften ist ein Rezyklat-Einsatz oft noch schlicht unmöglich. Um dennoch die Entwicklungen nachhaltiger Lösungen voranzutreiben, steht die Division in engem Austausch mit der Lebensmittelindustrie, dem Handel und Forschungseinrichtungen. Erste Erfolge im Non-Food-Bereich: Für Universalverpackungen aus Post-Consumer-Rezyklat wurde Pöppelmann Famac kürzlich mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet. Die Pöppelmann-Blue-Verpackungen in der Farbe Recycling Blue werden zu über 90 % aus PCR-Granulat aus der Sammlung der Dualen Systeme gefertigt. Wenn die Verpackung nach der Verwendung dem Recyclingstrom wieder zugeführt wird, kann hier der Materialkreislauf geschlossen werden. Bei Ihren Pflanztöpfen gehen Sie über das Duale System Deutschland (Gelber Sack). Die Schutzkappen und Stopfen sollen idealerweise beim Anwender gesammelt und dann an Sie zurückgegeben werden. Ich nehme an, es geht hier um die Werkstoffqualität? Das Material aus der Sammlung mit dem Gelben Sack setzen wir für unsere Pflanztöpfe und Non-Food-Verpackungen ein. Da es für die Kappen und Stopfen kein einheitliches etabliertes Sammelsystem gibt, führen wir hier die Sammlung in Eigenregie mit DER KONSTRUKTEUR 12/2019 15

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