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DER KONSTRUKTEUR 6/2019

DER KONSTRUKTEUR 6/2019

KONSTRUKTIONSELEMENTE

KONSTRUKTIONSELEMENTE DICHTUNGSANFORDERUNGEN IM DIALOG FRÜHZEITIG KLÄREN Obwohl sie oft klein und unscheinbar sind, spielen Dichtungen in vielen Branchen und Applikationen eine tragende Rolle. Dabei sind die Anforderungen häufig speziell und Dichtungs-Know-how ist gefragt. Über Herausforderungen, Lösungen und Entwicklungszusammenarbeit sprachen wir mit Thomas Deigner, dem Geschäftsführer der SKF Economos Deutschland GmbH, Spezialist für Dichtungslösungen, Kunststofftechnik und Zylinderservice. Ihr Unternehmen hat sich auf Dichtungstechnik, Kunststofftechnik und Zylinderservices spezialisiert, was genau bieten Sie an? Unser Angebot nennen wir Dichtung Plus. Dazu gehören selbst entwickelte Dichtungswerkstoffe auf Polyurethan- und Elastomerbasis, maßgefertigte Kunststoffbauteile für fluidtechnische und maschinenbautechnische Anwendungen, anwendungsspezifische Hydraulikzylinder und deren Optimierung sowie Entwicklungsdienstleistungen im Rahmen unseres Partnered-Engineering-Ansatzes. Unsere SKF-Seal-Jet-Fertigungstechnik erlaubt die schnelle und günstige Umsetzung von Innovationen in einem Tag, indem Prototypen oder Pilotserien ohne Werkzeugkosten drehend gefertigt werden können. Die Serien- und Mengenfertigung erfolgt bei mengenrelevanten Stückzahlen dann gespritzt. Der Hydraulikservice umfasst die KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess)-Unterstützung, Reparatur und Optimierung, Konstruktion und Fertigung anwendungsspezifischer Zylindertypen sowie den Neubau von sogenannten Schwesterzylindern. PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Suche nach der optimalen Dichtungslösung? Dichtelemente dürfen immer weniger Platz einnehmen. Hier sind All-in-one-Lösungen gefragt, die unterschiedliche Funktionen wie Dichten, Führen und Abstreifen in nur einem Element vereinen. Physikalische Eigenschaften, die sich auf die Standzeiten, Gleitverhalten aber auch auf die Montagefreundlichkeit auswirken, sind werkstofftechnisch ebenso zu optimieren wie die chemische Verträglichkeit gegenüber Schmier-, Kühl- und Reinigungsmedien. Darüber hinaus müssen Toleranzen beachtet und durch konstruktive Lösungen eingehalten werden. Wie können Sie Konstrukteure bei der Entwicklung von Produkten unterstützen? Konstrukteure haben deutlichen Einfluss auf die Kosten, die durch den Einsatz und die Gestaltung von Bauteilen entstehen. Daher kann es sinnvoll sein, vorgefertigte Normteile zu kaufen und dann die Dichtungsabmessungen an die z. B. bestehenden Bohrungsdurchmesser anzupassen. Die Montagefreundlichkeit und die Möglichkeit, Elemente vollautomatisch zu montieren, sollten ebenfalls konstruktiv berücksichtigt werden. Hier können wir mit Einführfasen oder Einschnapplösungen unterstützen. Ein weiteres Thema sind hohe Drücke und das Risiko der Spaltextrusion. Diese und andere Anforderungen lassen sich im Dialog frühzeitig klären und z. B. mit Werkstoffen aus der X-Ecopur Fa- 14 DER KONSTRUKTEUR 6/2019

milie besser abdecken. Mit unserer Fertigungstechnologie unterstützen wir die kostengünstige und schnelle Umsetzung über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Gibt es Branchen oder Anwendungen, die spezielle Anforderungen an die Dichtungstechnik stellen? Der Standard-Maschinenbau stellt bereits hohe Anforderungen, hier besonders das Thema Medienverträglichkeit. Ähnliches gilt auch für den Bereich Prozess- und Verfahrenstechnik. Bei der Fluidtechnik spielen zudem immer höhere Betriebsdrücke eine wichtige Rolle. Besondere Robustheit, Temperatur- Eignung und chemische Resistenzen sind bei Anwendungen des Bergbaus und der Förderung von Öl und Gas gefragt. Im Lebensmittelbereich sind darüber hinaus spezielle Konformitäten zu erfüllen. Welche besonderen Vorteile eröffnet die Zusammenarbeit mit SKF Economos bei der Entwicklung von Produkten für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie? Unsere Kunden profitieren von unserer langjährigen Erfahrung in dieser und ähnlich gelagerten Branchen sowie durch selbstentwickelte Spezialwerkstoffe. Wir bringen unsere Erfahrungen aus vielen Branchen und Anwendungen ein und ermöglichen die schnelle und wirtschaftliche Herstellung von Prototypen, die auch für Qualifizierungen immer öfter benötigt werden. Mit der Umsetzung kunden- und anwendungsspezifischer Dichtungslösungen als eigenständige Artikel bieten wir Anwendern zudem einen besseren Schutz vor Plagiaten. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Otto Ganter. Können Sie das Projekt und das Ergebnis kurz umreißen? Der Normelementehersteller Otto Ganter GmbH hatte sich 2015 entschlossen, ihr Produktportfolio um Elemente für hygienekritische Bereiche zu erweitern. Mit dieser strategischen Entscheidung stellten sich auch neue konstruktive Herausforderungen. Zunächst sollte ein Stellfuß im sogenannten Hygienic Design ausgeführt werden. Dabei waren nicht nur die rechtlichen Grundlagen nach EN 1672-2:2009 „Nahrungsmittelmaschinen“ und anderen Normen zu beachten. Für einen erfolgreichen Markteintritt galt es, die künftige Produktfamilie FDA-konform zu gestalten und von der European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) und 3-A Sanitary zertifizieren zu lassen. Zwei Jahre nach Projektbeginn sind zahlreiche Normelemente der Produktfamilie „Hygienic Design“ unseres Kunden zertifiziert und mit dem HD-Symbol gekennzeichnet. Sie verfügen sämtlich über eine hohe Oberflächengüte, Totraumfreiheit, nichtschöpfende Außenflächen und perfekt gedichtete Anschraubbereiche. Offenbar ein gelungenes Projekt! Was ist aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig? Die Zusammenarbeit mit Otto Ganter und anderen Herstellern zeigt, dass unser Partnered-Engineering-Ansatz strategiegetriebene Innovationen erleichtert. Mit ihnen können Unternehmen neue, attraktive Märkte erschließen. Entscheidend dafür ist der frühe und vertrauensvolle Kontakt. Dann können beide Partner ihr gemeinsames Wissen einbringen und in wenigen, effektiven Schritten zur optimalen, anwendungsreifen Lösung gelangen. Das Interview führte Martina Klein www.skf.com

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