FOKUSTHEMA VERPACKUNGSINDUSTRIE 2K-PREFORM-TECHNOLOGIE DEFINIERT KOSMETIK-VERPACKUNGEN NEU VON DER HÜLLE ZUM FUNKTIONALEN SYSTEM Pump Cap 01 Pouch Bottle 02 Zwischen Regulierungsdruck, Nachhaltigkeit und Designwettbewerb im Kosmetikregal: Verpackungssysteme stehen vor einem grundlegenden Wandel. Neue Ansätze verschieben nicht nur Materialfragen, sondern die Architektur von Airless-Verpackungen. Eine 2K-Preform-Technologie als Pouch-Airless-System zeigt, wie sich Produktausbeute, Materiallogik und Markenauftritt verbinden lassen - und warum Verpackung künftig mehr als funktionales System verstanden werden sollten. PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Im Kosmetikregal entscheidet Packaging längst nicht mehr nur über Schutz und Funktion, sondern über Sichtbarkeit, Markenwahrnehmung und Kaufentscheidung. Zwischen begrenzter Regalfläche, steigenden Kosten pro Regalmeter und immer stärker fragmentierten Zielgruppen wird Verpackungsdesign zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Dabei treffen zwei Perspektiven aufeinander: Die Marke, die sich im Regal differenzieren muss - und der Konsument, der innerhalb von Sekunden kauft, was ihn visuell und emotional anspricht. Gerade im Bereich Facecare, dem hochpreisigsten Segment der Kosmetikindustrie, ist dieser Druck besonders spürbar. Hier konkurrieren Produkte nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch - vom Massenmarkt bis zum Luxussegment. Während eine Drogeriemarke im klar definierten Preis- und Formatraster agiert, setzen Premiumbrands auf Inszenierung und Differenzierung. Doch unabhängig vom Segment bleibt ein Ziel konstant: gute Qualität, schnelle Verfügbarkeit, zuverlässige Lieferketten und ein Packaging, das funktioniert - technisch wie emotional. AIRLESS-SYSTEME UNTER DRUCK Airless-Verpackungen gelten als Goldstandard für empfindliche Formulierungen. Doch die Branche steht unter wachsendem regulatorischem Druck: Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) zwingt Hersteller zu einer konsequenten Materialreduktion, Recyclingfähigkeit und dem verstärkten Einsatz von Rezyklaten (PCR-Materialien). Gleichzeitig bleibt die Umsetzung komplex: Materialdefinitionen, Recyclingfähigkeit und regulatorische Anforderungen sind teilweise uneindeutig und in der Praxis schwer kalkulierbar. Ein zentrales Problem dabei: PCR-Material ist nicht unbegrenzt verfügbar und unterliegt Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen, besonders im Kosmetikbereich. In der Konsequenz müssen Marken heute Verpackungslösungen entwickeln, die nicht nur nachhaltig erscheinen, sondern auch regulatorisch langfristig Bestand haben. FUNKTION UND MATERIALLOGIK TRENNEN Hier setzt die 2K-Preform-Technologie an. Im Kern basiert sie auf einem Zweikomponenten-Spritzgussverfahren, das zwei Materialien in einem einzigen Prozessschritt kombiniert. Dadurch entsteht ein funktionales Verbundsystem - ohne nachgelagerte Montageprozesse. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Airless-Systemen liegt dabei in der Architektur: Während herkömmliche Systeme auf einem Kolben basieren, nutzt die 2K- Preform-Technologie einen flexiblen Innenbeutel (Pouch), der sich während der Anwendung kontrolliert zusammenzieht. So kommt es im Ergebnis zu einer nahezu vollständigen Produktentleerung - je nach Formulierung können dabei bis zu 98 Prozent erreicht werden. Lena Radetzky, Head of Packaging, Inotech Group, Nabburg 12 DER KONSTRUKTEUR 2026/06 www.derkonstrukteur.de
01 Bei der 2K-Preform-Technologie zieht sich ein flexibler Innenbeutel (Pouch) bei der Entnahme kontrolliert zusammen - gegenüber herkömmlichen Systemen mit Kolben ist so eine nahezu vollständige Entleerung möglich 02 Da der innere Pouch das Produkt vollständig vom Außenbehälter trennt, entstehen neue Freiheitsgrade in der Materialwahl der äußeren Verpackung, und ein visueller Indikator über den verbleibenden Produktinhalt ist direkt eingebaut Gerade im E-Commerce entfaltet das Pouch-Airless-System einen zusätzlichen praktischen Vorteil: Da sich der flexible Innenbeutel in Kombination mit einem transparenten oder transluzenten Außenbehälter beim Entleeren sichtbar zusammenzieht, erhalten Endkunden einen klaren visuellen Indikator über den Produktinhalt. Dadurch wird der Verbrauch transparent und besser planbar, was besonders bei längeren Lieferzeiten im Online- Handel wichtig ist. Anwender erkennen frühzeitig, wann eine Nachbestellung erforderlich wird, und vermeiden so Versorgungslücken im Alltag. Für Marken bedeutet dies eine stabile Kundenbindung sowie die Reduktion von Kaufabbrüchen durch spontane Umorientierung im stationärenHandel. Ein zentraler Vorteil der Technologie liegt in der gestalterischen Freiheit. Während klassische Airless-Systeme stark formgebunden sind, ermöglicht das neue System nahezu jede Form. Ob rund, eckig, konisch oder organisch - die äußere Hülle ist nicht mehr durch die interne Mechanik limitiert. Das eröffnet Marken die Möglichkeit, ikonische Packaging-Designs zu erhalten oder neu zu interpretieren. Gleich zeitig wird sogenannter „Toter Raum“ - also nicht genutztes Volumen im Packaging - nahezu vollständig eliminiert. Gerade im Kontext der PPWR stellt dies einen relevanten Faktor dar: Materialeffizienz wird zunehmend regulatorisch bewertet. PCR, RECYCLING UND MATERIALFREIHEIT Ein weiterer zentraler Hebel der Technologie liegt in der Entkopplung von Produkt und Außenmaterial. Da der innere Pouch das Produkt vollständig vom Außenbehälter trennt, entstehen neue Freiheitsgrade in der Materialwahl der äußeren Ver packung. Je nach Konzept kann die Verpackung aus PCR-Kunststoff, Aluminium, Glas, Holz oder anderen Materialien bestehen. Damit wird ein zentrales Problem klassischer Verpackungssysteme gelöst: die Kompatibilität zwischen Rezyklat und Formulierung. Zusätzlich reduziert sich der Testaufwand erheblich, da das Produkt nicht direkt mit dem Außenmaterial in Kontakt kommt. Der Innenpouch selbst ist dabei aus funktionalen Gründen in der Regel aus Virgin Material gefertigt, da er eine zentrale Rolle für die Produktsicherheit und das Dosierverhalten übernimmt. MINIMALISMUS FÜR UNTERWEGS Ein Beispiel für die konkrete Anwendung der 2K-Preform-Technologie liefert die innovative Reisekosmetikmarke Passport2skn. Die Marke verfolgt einen klaren Ansatz: Hochwertige Gesichtspflegeprodukte so zu verpacken, dass sie im mobilen Einsatz ohne Umfüllen, ohne Zusatzsysteme und mit minimalem Materialeinsatz funktionieren. Im Mittelpunkt steht dabei eine 30-ml-Formatlösung, die gezielt für Reise- und E-Commerce-Szenarien entwickelt wurde. Die Verpackung kombiniert ein geringes Eigengewicht mit einer kompakten, stabilen Außenstruktur und einer integrierten Airless-Funktion. Im Inneren kommt dabei das 2K-Preform-System zum Einsatz: Der flexible, integrierte Pouch übernimmt die Produktführung und sorgt dafür, dass sich die Formulierung während der Nutzung gleichmäßig und kontrolliert entleert. INNOVATIVES PACKAGING BEGINNT MIT ARCHITEKTUR Die 2K-Preform-Technologie ist weniger eine Revolution als vielmehr die konsequente Weiterentwicklung bewährter Airless-Logiken. Sie verbindet drei zentrale Anforderungen der Branche: möglichst hohe Produktausbeute, regulatorische Zukunftssicherheit und gestalterische Freiheit im Design. Gleichzeitig zeigt sie, dass Innovation im Packaging selten bei der sichtbaren Oberfläche beginnt - sondern vielmehr in der unsichtbaren Architektur dahinter. Anders gesagt: Nicht das Design verändert sich zuerst - zuerst verändert sich das System, das es ermöglicht. Bilder: Inotech www.inotech.de Effizient Zuverlässig Individuell SMM Automechanika IAA Transportation 42. Deutscher Stahlbautag WindEnergy Verbindungselemente & Befestigungstechnik Mehr als ein System C-Teile-Management mit REYHER Lernen Sie unsere Lösungen genau für Ihre Anwendung kennen. Treen Sie unsere Experten auf Ihrer Fachmesse! reyher.de
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