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DER KONSTRUKTEUR 7-8/2021

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DER KONSTRUKTEUR 7-8/2021

GESCHICKTER SCHWENK ZU

GESCHICKTER SCHWENK ZU MEHR PRODUKTIVITÄT MONTAGE UND HANDHABUNG Bei der Serienfertigung hoher Stückzahlen steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. So auch bei einem Lohnfertiger, der u.a. spezielle Halterungen für Antriebe von Cabrioverdecken mechanisch bearbeitet. Welche Rolle eine modifizierte Schwenkeinrichtung in diesem Zusammenhang spielt, erfahren Sie nachfolgend. Das auf Metallbearbeitung spezialisierte Lohnfertigungs- Unternehmen AVCI in Solingen ist überwiegend im Automotive-Bereich aktiv. Hier geht es um möglichst kostengünstige Serienfertigung mit hohen Stückzahlen. So auch bei der mechanischen Bearbeitung von speziellen Halterungen für Antriebe von Cabrioverdecken. Bislang nutzte AVCI dafür eine 5-Achs-Maschine, um zum Beispiel erforderliche Bohrungen in verschiedenen Winkeln, Nachfräsarbeiten von Auflageflächen und das Fräsen von Gewinden durchzuführen. „Da diese aber nur eine Bearbeitungsstation und somit kein hauptzeitparalleles Rüsten bot, kam die Überlegung auf, alternativ eine 3-Achs-Maschine mit Werkstückwechseltisch um zusätzliche Zweiachs-Schwenkeinrichtungen aufzurüsten“, berichtet Lutz Wassem, Fertigungsleiter bei AVCI. Damit wäre die Maschine hauptzeitparallel rüstbar und so gut wie ständig am Arbeiten. Die Nebenzeiten würden nur noch Sekunden während des Werkstückwechsels betragen. VERGRÖSSERTER STÖRKREIS ALS HERAUSFORDERUNG Eine wesentliche Herausforderung bei der Umsetzung dieser Idee war die Anforderung von AVCI, für die Fertigung von hohen Stückzahlen auf jeder Seite eine Mehrfachspannvorrichtung mit entsprechend dimensionierten Störkreisen auf der C-Achse montieren zu können. Die auf dem Markt angebotenen Schwenkbrücken kamen wegen ihres asymmetrischen Aufbaus dafür jedoch nicht in Frage. Insofern galt es, einen Anbieter zu finden, der die Planscheibe nicht seitlich, sondern mittig unter Beibehaltung der Stabilität positioniert und damit einen genügend großen Störkreis bietet. Mit diesem Wunsch wandte sich AVCI an das Bielefelder Unternehmen ARO-tec, das im Kernge- S 14 SUPPLEMENT 2021

schäft Werkzeugmaschinen von Hyundai WIA vertreibt, die der Lohnfertiger dort auch schon erworben und damit gute Erfahrungen gemacht hat. Sowohl Hyundai WIA als auch ARO-tec zeigten großes Interesse an einer Kooperation in diesem Projekt. Schwieriger gestaltete sich zunächst die gemeinsame Suche nach einem Anbieter von Schwenkeinrichtungen, der offen war für die angestrebte Sonderlösung. „Wir haben mehrere Firmen angefragt, aber alle boten lediglich ihre standardisierten Baukästen an, die für uns keine Lösung darstellten“, erzählt Wassem. Keiner sei bereit gewesen, eine passende Ergänzung zu entwickeln. Dann aber gingen ARO-tec und AVCI auf Peiseler zu, einen der führenden Hersteller von Wendern, Drehtischen, Zweiachs- Schwenkeinrichtungen, Schwenkköpfen und Werkzeugwechseltischen, der zugleich bekannt ist für die Entwicklung von komplexen Sonderkonstruktionen. Das Remscheider Unternehmen zeigte sich ausgesprochen offen für das Finden einer passenden Lösung. INNOVATIVE LÖSUNG ERMÖGLICHT HÖHERE STÜCKZAHLEN Da eine Zusatzachse immer viel Platz benötigt, galt die Prämisse, diese so klein und schlank wie möglich zu bauen, ohne aber Stabilitätseinbußen zu haben. Und das als Plug-and-Play-Lösung. Denn die vierte und fünfte Achse, die das Wenden des Werkstücks ermöglicht, sollte in kurzer Zeit leicht entfernt werden können, um die Werkzeugmaschine bei einem anderen Einsatz auch als normale 3-Achs-Maschine einsetzen zu können. „Das alles hat Peiseler hervorragend umgesetzt“, hebt Wassem hervor. Die Konstrukteure in Remscheid haben für den angestrebten größeren Störkreis das Wiegengehäuse mit zwei veränderten Gusshauben rechts und links verlängert. Statt einem ursprünglich maximalen Durchmesser von 180 mm kann dieser nun bei einem Werkstück bis zu 650 mm betragen. Zwar ist für AVCI nicht die Größe des Werkstücks relevant, doch erlaubt diese bauliche Veränderung die Einrichtung einer hydraulischen Vorrichtung mit mehreren Spannnestern. Damit ist die Möglichkeit geschaffen, mehrere kleinere Werkstücke nebeneinander zu bearbeiten. Dies und der Einsatz eines Palettenwechslers ermöglichen eine deutlich höhere Stückzahl bei einer zugleich erheblich reduzierten Fertigungszeit. „Dass Peiseler in Kooperation mit AVCI und uns eine derart passende Lösung entwickelt hat, ist wirklich absolut außergewöhnlich“, hebt Michael Kesterke, Sales Engineer bei ARO-tec, hervor. Zumal es dabei um eine Werkstückwechsel-Maschine gehe. „Die Entwicklung einer Schwenkeinrichtung mit vergrößertem Störkreis und die erstmalige Umsetzung einer solchen Variantenkonstruktion aus bestehenden Baukastenkomponenten war auch für uns etwas völlig Neues“, stellt Markus Kocherscheid ergänzend fest, der bei Peiseler im Vertrieb den Kunden ARO-tec betreut. Neben den mechanischen Veränderungen sei die nahtlose Anpassung an die Steuerung der Hyundai WIA F 600 D eine gewisse Herausforderung gewesen. „Diese Anbindung an die Werkzeugmaschine und deren elektrische Schnittstellen hat Peiseler indes exzellent hinbekommen“, unterstreicht Kesterke. Das sei schließlich keine Selbstverständlichkeit, aber eben extrem wichtig. Die Maschine mit der Peiseler-Schwenkeinrichtung läuft inklusive aller Versuche inzwischen seit gut einem Jahr im Drei- Schicht-Betrieb mit wechselnden Bauteilen für Automotive-Kunden. „Dank der außergewöhnlichen Technik profitieren wir von dieser hohen Verfügbarkeit im Dauerbetrieb und den damit möglichen deutlich höheren Stückzahlen“, freut sich AVCI-Fertigungsleiter Wassem. Insofern hätten ARO-tec und Peiseler die Erwartungen voll und ganz erfüllt. Insgesamt habe man die Ausbringung dadurch um 20 Prozent steigern können. „Und zugleich vermeiden wir die kostenintensiven Nebenzeiten fast vollständig. Das wiederum steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ KOOPERATION UND ENGAGEMENT ALS ERFOLGSFAKTOREN Die Zusammenarbeit aller drei Unternehmen sei absolut reibungslos gelaufen und sehr produktiv gewesen. Peiseler habe sich während des gesamten Prozesses massiv eingebracht. „Wir hatten unsere Vorstellungen und Peiseler hat sie realisiert“, betont Wassem. Wichtig sei dabei sicher auch die technologische Performance und die hohe Präzision gewesen. Gerade wenn es um Dreh- und Schwenkachsen gehe, sei diese besonders wichtig; da zähle jede Bogensekunde. Entscheidend sei daneben die Offenheit und ausgeprägte Bereitschaft zu außergewöhnlichen Sonderlösungen, damit verbunden die überdurchschnittliche Kundenorientierung sowie die gebotene Technologie, Qualität und Leistungsstärke. Dass Peiseler in diesem Sinne ein ausgezeichneter Partner ist, darin sind sich insofern sowohl AVCI- Fertigungsleiter Wassem als auch ARO-tec-Vertriebsmann Kesterke einig. Bilder: Peiseler www.peiseler.de 20 PROZENT MEHR OUTPUT Mit der modifizierten Schwenkeinrichtung konnten wir die Ausbringung um 20 Prozent steigern. Und zugleich vermeiden wir die kostenintensiven Nebenzeiten fast vollständig. Das wiederum steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ LUTZ WASSEM, Fertigungsleiter bei AVCI SUPPLEMENT 2021 S 15

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