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Der Konstrukteur ASB/2022

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Der Konstrukteur ASB/2022

MOTOREN UND STEUERUNGEN

MOTOREN UND STEUERUNGEN PRÄZISE WIE EIN UHRWERK PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Mechatronische Konzepte stellen oft besondere Herausforderungen an die eingesetzte Technik. Ein Beispiel dafür sind Uhren, die auf engstem Bauraum die Vorteile aus der mechanischen und der elektronischen Welt vereinen. Die eingesetzte Antriebseinheit musste kompakt sein und mit geringem Energieverbrauch die intrinsische Reibung überwinden. Dipl.-Ing. (BA) Andreas Seegen, Leiter Marketing bei Faulhaber und Dipl.-Ing. (FH) Nora Crocoll, Redaktionsbüro Stutensee 10 DER KONSTRUKTEUR 2022/ASB www.derkonstrukteur.de

MOTOREN UND STEUERUNGEN 01 Liegt die Uhr über längere Zeit, wird das Uhrwerk angehalten, um Federenergie zu sparen: Eine integrierte Elektronik speichert dabei die Zeit und misst sie während der Ruhephasen weiter PROTOTYP WECKTE GROSSES INTERESSE Eigentlich hatte Benoît Mintiens auf einen Oldtimer gespart. Aber statt diesen zu kaufen investierte er 30.000 Euro in das Uhren-Projekt. Allein 10.000 davon gab er für einen Ministand auf der weltweit wichtigsten Uhrenmesse in Basel aus. Dort präsentierte er 2010 die ersten drei Prototypen seiner Uhr, für die er sämtliche Teile am Computer neu entworfen hatte. Mintiens erinnert sich: „Die größte Schwierigkeit am Anfang bestand darin, die Teile mit DIE MIKROPLANETENGETRIEBE WERDEN DEN PRÄZISEN ANFORDERUNGEN DES UHRWERKS GERECHT Wie würde eine mechanische Uhr aussehen, die von Grund auf neu gedacht und entwickelt wurde? Diese Frage stellte sich der belgische Produktdesigner Benoît Mintiens vor rund zwölf Jahren. Entstanden ist eine einzigartige Vorrichtung in der Welt der mechanischen Zeitmesser: Die Armbanduhr „schläft“, wenn sie abgelegt wird und wacht auf, wenn man sie wieder anlegt. Die korrekte Zeit wird automatisch eingestellt. Dabei bewegen sich aber nicht die Zeiger, sondern das sehr ungewöhnliche Ziffernblatt der Type 2 von Ressence. Bis zu dieser Erfindung hatte der Belgier nichts mit Uhren zu tun. Er hat sich aus strategischen Gründen auf diese Branche verlegt. Eine Armbanduhr ist – im Gegensatz etwa zu einem Auto – ein überschaubares Produkt. Für Entwurf und Entwicklung wird kein großes Team benötigt. Zugleich spielen Aspekte wie Design und innovative Technologie für die Abnehmer hochklassiger Chronometer eine wichtige Rolle. Genau diese Klientel wollte Mintiens mit seiner Neuentwicklung ansprechen. der nötigen Präzision aber zu einem bezahlbaren Preis produzieren zu lassen. Das ist bei der minimalen Stückzahl keine banale Aufgabe.“ Deshalb behalf er sich mit zweckentfremdeten Vorprodukten: Für die Achsen wurden Stücke von Nähnadeln verwendet. Die sind hochpräzise gefertigt und haben eine sehr glatte Oberfläche; als Hülsen dienten Kanülen von Einwegspritzen, die zufällig exakt mit den Nadeln zusammenpassten. Obwohl die Prototypen unter solchen Voraussetzungen nicht perfekt sein konnten, stieß sein neuartiges Uhrenkonzept in Basel auf großes Interesse. Mit den Vorbestellungen, die er von dort mit nach Hause nahm, konnte er die Serienproduktion starten und nun auch die hochspezialisierten Teilelieferanten der Schweizer Uhrenindustrie bezahlen. Grundlage seines Erfolgs ist eine ganze Reihe von einzigartigen Eigenschaften, die ausschließlich bei Uhren von Ressence zu finden sind. Eine wird auf den ersten Blick sichtbar: Nicht die Zeiger bewegen sich auf dem Ziffernblatt, sondern das Ziffernblatt selbst. Genau gesagt sind es mehrere Ziffernblätter – für www.derkonstrukteur.de DER KONSTRUKTEUR 2022/ASB 11

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