MOTOREN UND STEUERUNGEN SPINDELN IN DENTALFRÄSMASCHINEN ANTREIBEN HOHE DREHZAHLEN MIT BISS PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Was passiert, wenn Zahntechniker Dentalfräsmaschinen selbst entwickeln? Es entstehen Lösungen, die von Grund auf für die Praxis gedacht sind und technische Spielräume ausreizen. Highspeed-Frequenzumrichter aus Lüneburg spielen bei dem hier vorgestellten zukunftsweisenden Konzept eine zentrale Rolle. Die Geschichte der HEDmill One ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn Praktiker die Technik selbst in die Hand nehmen. Kein Konzern, kein anonymer Entwicklerkreis - sondern Zahntechniker, die genau wissen, was sie im Labor benötigen. Das Ergebnis: eine Dentalfräsmaschine, die sich konsequent an den realen Anforderungen orientiert. Unterstützt wird das Konzept durch Antriebselektronik der Sieb & Meyer AG in Lüneburg, und zwar konkret durch den für Highspeed-Anwendungen ausgelegten Frequenzumrichter SD4S. Das neue System könnte neue Maßstäbe im Dentallabor setzen. Markus Finselberger, Leiter Vertrieb Antriebselektronik, Sieb & Meyer AG „Wir kommen aus der Zahntechnik. Wir kennen die Ansprüche - und konnten diese direkt in die Entwicklung einfließen lassen“, sagt Leon Felzmann, Geschäftsführer der HEDS Group GmbH. „Wir sind unabhängig, transparent und suchen uns unsere Partner bewusst aus. Das macht den Unterschied.“ HEDS Dental ist eine unabhängige Laborgemeinschaft, gegründet von Dentallaborinhabern, die ihre Ressourcen bündeln und Synergien nutzen möchten. Ihr Ziel: Produktionsprozesse optimieren und nützliche Produkte entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse von Zahntechnikern und Zahntechnikerinnen abgestimmt sind. Im Falle der HEDmill One liegt dieser Part in den Händen der HEDmill GmbH & Co. KG mit Sitz in Göttingen. INNOVATIVE 5-ACHS-HSC-FRÄSMASCHINE HEDmill steht für High-End Digital Milling. Mit der HEDmill One entstand eine 5-Achs-HSC-Fräsmaschine für Dentallabore mit Industrietechnikanspruch, die keine Kompromisse eingeht. Jedes Detail ist hier genau durchdacht. Die Maße erlauben einen Transport im Fahrstuhl. Selbst die Türfarbe kann frei gewählt werden. Als Steuerung kommt Industrie-CNC-Technik zum Einsatz - kombiniert mit einer speziell für Zahntechnikerinnen und Zahntechniker entwickelten Benutzeroberfläche. Eine Spindel mit hoher Leistungsreserve ist das Herzstück der Applikation. „Unsere Maschine ist für den Dentalbereich eigentlich überdimensioniert“, erläutert Christian Heine, Entwicklungsleiter bei HEDmill. „Wir wollten eine Lösung, die nie an 24 DER KONSTRUKTEUR 2026 / ASB www.derkonstrukteur.de
MOTOREN UND STEUERUNGEN 01 02 03 01 Der Frequenzumrichter SD4S von Sieb & Meyer überzeugt in der Dental-Anwendung durch kompakte Maße, diverse integrierte Schnittstellen wie EtherCAT, Profinet und weitere Protokolle sowie eine hohe Taktfrequenz von bis zu 32 kHz 02 Durchdachte Details wie Werkzeugplätze, Klemmring und Drehformhalter machen die Dentalfräsmaschine zu einer Lösung, die sich nahtlos in den Laboralltag integriert 03 Überprüfung der Fräserschneide per Mikroskop-Kamera mit Bild-Anzeige auf dem Bedienpanel Leistungsgrenzen kommt - auch dann nicht, wenn sie in anderen Bereichen wie beispielsweise in der Schmuck- oder Uhrenfertigung eingesetzt wird.“ Die Spindel liefert dafür die Basis - angetrieben wird sie von Antriebselektronik des erfahrenen Highspeed-Spezialisten Sieb & Meyer. LÖSUNGEN AUF KURZEM WEG Dass sich HEDmill für den SD4S entschied, war kein Zufall. Die Akteure kannten sich bereits aus früheren Projekten. Vertrauen und technisches Verständnis waren da - und damit die Basis für ein schnelles, zielorientiertes Miteinander. „Wir wussten, dass wir mit Sieb & Meyer einen Partner haben, der liefert - technisch wie im Service“, so Heine. „Wir brauchen Qualitätsgeräte mit hoher Leistungsdichte, die sich einfach ins Gesamtsystem integrieren lassen. Und wenn es mal hakt, Lösungen auf kurzem Weg.“ Die kompakte Bauweise des SD4S überzeugte HEDmill ebenso wie die zahlreichen bereits integrierten Schnittstellen (EtherCAT, Profinet und weitere) und die Taktfrequenz von bis zu 32 kHz. Das Gesamtpaket habe einfach gepasst, so Heine. Dabei ist der eingesetzte SD4S ein modernes Standardprodukt. „Wir wollten mit der Zeit gehen“, berichtet Heine. „Das Vorgängermodell, der SD2S, ist schon seit mehreren Jahren auf dem Markt. Der SD4S basiert auf dessen erprobten Know-how und ist gleichzeitig technologisch komplett überarbeitet.“ Die Integration in die Dentalfräsmaschine verlief in weiten Teilen reibungslos. Gehäuse und EMV-Auslegung mussten für die Anwendung optimiert werden. Durch die enge Zusammenarbeit konnten hierfür schnell Lösungen gefunden werden. „Wir haben von HEDmill wertvolles Feedback bekommen, das wir direkt in die Weiterentwicklung unseres noch jungen Produktes einfließen lassen konnten“, erinnert sich Lorenz Förster, Key Account Manager bei Sieb & Meyer. „Das ist nicht selbstverständlich - HEDmill ist ein kompetenter Kunde, der genau weiß, was er will und wie sich das umsetzen lässt.“ BEREIT FÜR DIE REALITÄT IM DENTALLABOR Die Dentalfräsmaschine HEDmill One richtet sich an Labore, die Wert auf eine Lösung legen, die nicht nur funktioniert, sondern sich nahtlos in den Alltag einfügt. Es ist kein Starkstromanschluss notwendig. Auch auf einen überdimensionierten Schaltschrank wird verzichtet. Stattdessen benötigt die Maschine nur eine 230-V-Versorgung und verbindet Industriequalität auf kompaktem Raum mit durchdachter Ergonomie. Die Maschine ist dabei alles andere als eine Speziallösung für Nischenanwendungen. Ob Keramik, Metall, oder sogar Inconel X aus der Luft- und Raumfahrt: Die Dentalfräsmaschine meistert vielfältige Werkstoffe. Auch wenn das im Dentalbereich selten nötig ist: Die Leistungsreserven sind da. „Wir haben neben der Dentaltechnik auch andere Branchen im Blick“, erklärt Felzmann. „Praktisch können wir auf unserer Maschine jedes Werkstück fertigen, das in den Bearbeitungswürfel von 100 x 100 x 100 Millimeter passt.“ ANTRIEB KANN MITWACHSEN Mit dem SD4S hat HEDmill einen Umrichter gewählt, der nicht nur die aktuellen Anforderungen erfüllt, sondern auch für künftige Entwicklungen Reserven bietet. Die digitale Anbindung per EtherCAT erlaubt eine moderne Maschinenkommunikation. Die flexible Parametrierung erleichtert den Alltag. Und die sensorlose SVC-Regelung (Sensorless Vector Control) des Antriebsspezialisten bietet Vorteile bei der Regelgüte, besonders im sensiblen Laborbetrieb. Dass nicht alles sofort perfekt lief, wird offen benannt. Die Herausforderungen bei der EMV und Gehäuseanpassung wurden pragmatisch gelöst. „Bei der Entwicklung neuer Produkte gibt es immer Startschwierigkeiten“, so die Erfahrung von Heine. „Vor allem die letzten paar Prozent sind oft anspruchsvoll. Hier hatten wir das Glück, dass uns neben der Expertise von Sieb & Meyer auch eine große Portion Eigen-Know-how zur Verfügung stand.“ GEMEINSAM ZUR OPTIMALEN LÖSUNG Das Projekt verdeutlicht auch die Relevanz einer engen Zusammenarbeit zwischen Anwendern und Technikpartnern. HEDmill verfügt über umfassende Kenntnisse der Dentalbranche und entwickelte mit der HEDmill One ein System, das spezielle Anforderungen des Marktes adressiert. Sieb & Meyer trug mit dem SD4S einen passenden Frequenzumrichter bei, der sich flexibel in das Gesamtkonzept integrieren ließ und Potenzial für künftige Weiterentwicklungen bietet. „Wenn das Produkt zu unseren Anforderungen passt, würden wir jederzeit wieder mit Sieb & Meyer zusammenarbeiten“, meint Felzmann. „Wer aus der Praxis kommt und für die Praxis entwickelt, braucht Partner, die diesen Anspruch verstehen und teilen. In diesem Fall hat das sehr gut funktioniert.“ Bilder: 01: Sieb & Meyer & Parsudi - stock.adobe.com, sonstige: HEDS Group www.sieb-meyer.de www.derkonstrukteur.de DER KONSTRUKTEUR 2026 / ASB 25
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